Sonntag, 9. August 2020

Woher kommen bitte die Tapas?

Rezept: Blumenkohlhäppchen / Canapés de Coliflor wie in Granada

Canapés de Coliflor mit Tinto de verano | pastasciutta.de



Tapas kosten nichts. Das habe ich in der Schule gelernt. Genauer gesagt, in einer Sprachschule in Granada. Meine Spanischlehrerin legte großen Wert darauf, dass wir die andalusische Kultur verstehen. Tapas werden mit dem Getränk serviert, und wenn man dafür etwas extra bezahlen muss, sind es keine Tapas! Eine weitere Tatsache, die wir Sprachschüler unbedingt verstehen sollten, war die Urheberschaft der spanischen Häppchen: Tapas wurden in Granada erfunden. - Natürlich! Da war die Pädagogin ganz sicher, denn schließlich war sie selbst dort geboren und aufgewachsen. Sie musste es also wissen.

Blumenkohlhäppchen, wie in Andalusien | pastasciutta.de

Und seitdem weiß ich es auch. Von diesem Wissen profitiere ich seit fast zwanzig Jahren. Ich habe es mit Freude aufgenommen, und in los bares de Granada vielfach überprüft. Anfang der 2000er war die andalusische Metropole voller Sprachschüler und Studenten aus ganz Europa. In meinem Hostel lebte eine mexikanische Tänzerin, die in der Stadt war, um ihre Ausbildung im Flamenco zu perfektionieren. Wir zogen gemeinsam mit anderen Hausbewohnern los, wenn ich den Abend nicht mit Mitschülern verbrachte. Zur späten Stunde wurde die Altstadt lebendig. Wir erlebten Flamenco auf der Straße, ein rührendes Konzert vor der Kathedrale, einen nächtlichen Besuch der Alhambra. Für Tapas reichte die Zeit dabei jedes Mal. 

Bars und Bodegas waren gut besucht. Die spanische High-End-Küche hatte Andalusien noch nicht erreicht. Zum stets preiswerten Tinto de verano wanderten kleine Happen und fast schon ganze Mahlzeiten über den Tresen. In manchen Stadtvierteln versuchten die Bars, sich gegenseitig mit ihrem Angebot zu übertreffen. Im Laufe eines Abends zogen Grüppchen von einem Lokal ins andere. Manchmal gab es eine kleine Auswahl an Speisen aus der man wählen konnte. In der nächsten Bar wurde einfach mit jeder Runde ein anders Essen unters Volk gebracht.


Tapas aus Blumenkohl, lecker und ganz easy | pastasciutta.de


Viele Tapas aus Granada sind mir im Gedächtnis geblieben. Auch wenn die Esskultur damals in Andalusien längst nicht so ausgefeilt und kunstvoll war, wie ich sie viele Jahre später in San Sebastián erleben durfte. Dort, im Baskenland, übertrumpfen sich die Bars gegenseitig mit Pintxos / Pinchos, was natürlich nicht dasselbe wie Tapas ist. Ich erwähne es auch nur, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Tapas wurden bekanntlich in Granada erfunden. Und die spanische Wikipedia sagt zwar, Pincho es muy similar a una tapa. Dennoch gibt es für beide Stichwörter getrennte Einträge. Tapas sind eben Tapas. Und Pintxos sind Pintxos.


Blumenkohlpaste auf geröstes Brot streichen | pastasciutta.de


Tapas, Mezze & Co. - Internationale Häppchen. All you need is… im August

So, und nun werfen wir doch wieder alles zusammen. Es gibt nämlich leckere Häppchen in den Blogs, die sich der Aktion "All you need is…" angeschlossen haben. Mein Rezept für Canapés de Coliflor folgt weiter unten auf dieser Seite.

Heute bei den Kollegen auf der Speisekarte:

🔵 Teekesselchen Genussblog Papas Arrugadas mit Mojo (vegan) 🔵 1x umrühren bitte aka kochtopf Pimentos de Padrón aus der Heissluftfritteuse 🔵 Jankes*Soulfood Huevos a la flamenca 🔵 Volkermampft Gebackener Ziegenkäse mit Preiselbeerdip auf Blattspinat 🔵 Lebkuchennest Fränkische Tortilla 🔵 Applethree Zucchini Frittata Rezept Low Carb 🔵 Küchentraum & Purzelbaum Vegetarische Empanadas 🔵 Möhreneck vegane Tortilla mit Zwiebelsalsa 🔵 Cook and Bake with Andrea Dreierlei spanische Tapas mit Baguette 🔵 ninamanie Huhn in Sherry-Sahne-Soße 🔵 Mein wunderbares Chaos Kroketten mit Erbsen, Feta und Minzjoghurt 🔵 zimtkringel Pica pica de sepia - Tintenfisch in scharfer Tunke 🔵 feiertaeglich Crostini mit gegrillter Nektarine, Ziegenkäse & Serrano 🔵 Brotwein Pfifferlinge Quiches mit Blätterteig als Mini-Quiches 🔵 Kleines Kuliversum Baba Ganoush 🔵 food for the soul Gazpacho Andaluz - Andalusische Gazpacho


Und jetzt kommt's: Blumenkohlhäppchen wie in Granada

Wenn ich mich bei einem Tinto de verano in Urlaubsstimmung versetzen möchte, dann bereite ich dazu gerne ein paar Tapas. Viele der kleinen Appetizer sind ja schnell gemacht. Tortilla española, ein paar Oliven, Albondigas, die berühmte Gilda… Ein spezielles Gericht bleibt für mich aber immer mit Granada verbunden. Die kleinen Blumenkohlhäppchen wurden in einer Bar mit arabisch angehauchter Küche serviert und ich kam damals nicht sofort darauf, worum es sich handeln könnte. Inzwischen habe ich sie so oft ohne Rezept zubereitet, dass sie mit dem Original wahrscheinlich keine Ähnlichkeit mehr haben. Dabei ist aber kein Schaden entstanden.

 

Rezept: Canapés de Coliflor / Blumenkohlhäppchen


Zutaten

Die Mengenangaben sind eher als Vorschlag zu betrachten.

2 TL Sesamsaat, schwarz und hell

1 kl. Blumenkohl, ca. 400 g

Salz

1 EL Tahin

Kurkuma

Chiliflocken

Kreuzkümmel, frisch gemörsert

(Alternativ funktioniert auch eine gute Gewürzmischung, z.B. Ras el-Hanout oder ein Currypulver mit viel Cumin)

1 EL Zitronensaft

20 kleine Brotscheibchen

Olivenöl


Zubereitung

Die Sesamsaat in einer heißen Pfanne kurz anrösten bis sie duftet und sofort auf einen Teller schütten.

Den Blumenkohl in Röschen teilen und in Salzwasser gar kochen. Das Gemüse etwas abkühlen lassen und in den Blender geben. Mit Tahin, Zitronensaft und den Gewürzen zu einer leicht stückigen Paste verarbeiten.

Die Brotscheibchen bei schwacher bis mittlerer Hitze in Olivenöl braten und auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die Paste dick auf das Brot streichen. Gerösteten Sesam zwischen den Fingern zerreiben und auf die Häppchen streuen.

Tipp:

1. Die Paste lässt sich auch ein paar Stunden im Voraus zubereiten und im Kühlschrank aufbewahren. Sie sollte aber vor dem Essen unbedingt rechtzeitig auf Zimmertemperatur gebracht werden!

2. Tahin gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Die Canapés auf meinen Fotos wurden mit dunklem Tahin zubereitet. Deutlich hübscher werden sie mit hellem Tahin.


Brotstangen aus Baguettemehl und Vollkornmehl | pastasciutta.de

9 Kommentare:

Conny hat gesagt…

Danke, dass Du uns nach Granada mitgenommen hast! Das hört sich nach einem wunderschönen Aufenthalt an. Und Deine Blumenkohl-Canapés klingen köstlich. Kreuzkümmel liebe ich aber auch sehr.
Herzlichst, Conny

Simone von zimtkringel hat gesagt…

Solche Pasten und Aufstriche liebe ich ja! Und Blumenkohl ist eh ein Familienfavorit. Danke für das tolle Rezept!
Liebe Grüße von Simone

zorra hat gesagt…

An den Touriorten an den Küsten entlang sind die kleinen Köstlichkeiten leider nicht mehr kostenlos. Die besten habe ich übrigens in Ronda gegessen, zubereitet in einer Miniküche. Dein Blumenkohlaufstrich wird demnächst mal nachgebastelt!

nata hat gesagt…

@Conny, vielen Dank! Das Kreuzkümmelaroma ist auch bei mir ganau das, was ich an diesen Tapas so liebe.
@Simone, aber gerne doch!
@Zorra, davon hörte ich auch schon. Aber meine Erlebnisse liegen auch schon echt lange zurück. - Ich freu mich schon auf Deine Variante!

volkermampft hat gesagt…

Ich liebe Tapas, und gerade als kleine Brote finde ich sie Super.

Da ich Blumenkohl darüber hinaus sehr gerne essen, wird es Deine Paste sicher auch auf meine Speisekarte schaffen.

LG Volker

Barbara hat gesagt…

Können wir bitte eine Zeitreise machen und uns durch Granada trinken und essen?

Wir waren 2008 dort (ungefähr), damals war es schon ziemlich touristisch und die Tapas mussten bezahlt werden, zwar mit Blick auf die Alhambra, aber dafür schmeckten sie nicht.

Ina von Applethree.de hat gesagt…

Granada steht auch schon länger auf meiner Reiseliste!! Mit deiner Kreation kann ich zumindest kulinarisch dorthin reisen!
Liebe Grüße, Ina

Kuechentraum und Purzelbaum hat gesagt…

Was für schöne Erinnerungen. Ich kann mir direkt vorstellen, wie ihr durch die Stadt zieht und alle Eindrücke aufsaugt. Deine kleinen Brote sehen auf jeden Fall unglaublich gut aus.
Liebe Grüße, Kathrina

MizThreefivesix hat gesagt…

Und jetzt muss ich sofort nach Granada! Ups. Geht ja nicht.

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