Donnerstag, 2. August 2018

Ich bin ein Tomatentalent

Rezept und Fragen zur Tomatonaise

Tomaten aus dem Garten 2018 | pastasciutta.de

Meine Zucchini werden nix. Nach der Blüte stellen sie ungefragt den Betrieb ein. So sieht es in meinem Garten nämlich aus. Salat wächst so langsam, dass ich vor Weihnachten weder Essig noch Öl brauche. Kohlrabi und Petersilie fielen den bösen und niederträchtigen Nacktschnecken zum Opfer. - Aber Tomaten, Junge, Junge!

Mein gärtnerisches Talent konzentriere ich voll und ganz auf Solanum lycopersicum. Schon im dritten Jahr jetzt habe ich auf dem Wochenmarkt ein paar Pflänzchen erstanden und im Garten drei Kübel mit billiger Blumenerde aufgestellt. An der Unterseite der Kübel habe ich große Löcher gebohrt, die durch Fließ bedeckt werden. Darauf befindet sich eine Schicht (total unbenutztes) Katzenstreu als Drainage und eine zweite Schicht aus eben jener billigen Blumenerde. Die Tomaten lieben das! Praktisch den ganzen Tag haben sie pralle Sonne. Auch wenn das in diesen Tagen sicherlich nix besonderes ist.

Beim Salat stellte ich irgendwann fest, dass die billige Blumenerde wohl ein Fehler war, denn das Wasser schien immer einen Weg an der Pflanze vorbei zu finden, der so schnell wie möglich aus dem Kübel hinaus führte. Tomaten sind in dieser Hinsicht unerschrocken, denn sie wachsen sogar auf Steinwolle. Irgendwie haben sie sich also auch mit meinem Wohnraumangebot arrangiert. Und sie danken mir dafür.

Warum kleiner manchmal besser ist


Eigentlich sollten alle drei Pflanzen Cherrytomaten produzieren. Stattdessen ernte ich drei verschiedene Größen. Für die kleinen Cherrytomaten habe ich mich jetzt zum dritten Mal entschieden, einfach wegen des Wetters. Ein trockener Sommer, wie wir ihn derzeit erleben, war nicht vorhersehbar. Und da ich kein Tomatenhaus habe, würden die Pflanzen in einem ganz normalen rheinischen Sommer reichlich Wasser aufs Haupt kriegen. Man sagt, das mögen sie generell nicht so. Allerdings war meine Überlegung eher, dass große Tomaten etwas länger am Strauch hängen und daher auch mehr Wasser abbekommen. Die Gefahr, dass sie aufplatzen ist also höher und mit Cherrytomaten habe ich auch diesbezüglich gute Erfahrungen gemacht. Geplatzt ist auch im verregneten Sommer 2017 kaum etwas. Dass die Bedingungen in diesem Jahr nun eher wüstenmäßig ausfallen, konnte keiner ahnen. Umso besser also, dass ich neben den kleinen Tomaten auch große und mittlere pflücke.

Wohin mit den Tomaten?


Wie auch in den vergangen Jahren tragen die Pflanzen reichlich Früchte. Ich bin ein Tomatentalent und ich werde mit einer üppigen Ernte belohnt. Wohin also mit dieser ganzen Pracht? Ich meine, es gibt schlimmere Schicksale als eine reiche Tomatenernte. Aber man will die leckeren Tomätchen ja auch nicht verschwenden.
Es haben sich in diesem Sommer drei Lieblingsrezepte herauskristallisiert, die besonders schnell, unkompliziert und hitzetauglich sind. Vielleicht stelle ich die beiden anderen auch noch hier vor. Aber die folgende Sauce ist mein persönlicher Favorit.



[Werbung ohne Auftrag] Sie geht auf einen wunderschönen Restaurantbesuch bei José Avillez im Frühjahr 2017 zurück. Man kommt in Lissabon an Avillez kaum vorbei, denn er besitzt zahlreiche Restaurants in der portugiesischen Hauptstadt, unter anderem das mit zwei Sternen ausgezeichnete Belcanto. Weil es rein physisch kaum möglich ist, drei Tage durch Lissabon zu laufen und noch irgendwo im Magen oder angrenzenden Organen Platz für 5 Gänge zu finden, entschieden wir uns für die, wie wir dachten, kleinere Lösung und landeten in der Cantinho do Avillez, nur ein paar Schritte entfernt. Tatsächlich ist die Atmosphäre angenehm locker, der Service superfreundlich und die Küche ganz frisch und akkurat, ein Ort zum Wohlfühlen. Das zu Beginn gereichte Brot kommt mit einer feinen roten Sauce in einem Emailtässchen, die herzhaft nach Knoblauch schmeckt.

Weil ich das Rezept zunächst nicht im Internet fand, habe ich also zu Hause rumprobiert und ein oder zweimal Tomaten in den Mixer geworfen, bis ich etwas ähnlich Fruchtiges zustande brachte, das käftig nach Knoblauch schmeckt. Inzwischen fand ich ein Rezept des Meisters und kann sagen, warum seine Sauce feiner ist. Er verwendet deutlich weniger Öl als ich. Stattdessen greift er, wie wir es von der Gazpacho kennen, zu eingeweichtem Brot. Dies also ein Hinweis für alle, die es gerne ganz original wollen. Allerdings scheint mir das Rezept im Netz nicht ganz ehrlich in Bezug auf den Knoblauchgehalt. Gerade die kräftige Knoblauchnote hat mir das kleine Sößchen so ins Gedächtnis gebrannt. Anderthalb Zehen auf 750 g Tomaten hätte ich nach 5 Sekunden wohl schon vergessen.

Cantinho do Avillez, April 2017 |pastasciutta.de




Mein Versuch einer Nachahmung endete mit der Erkenntnis, dass vegane Mayo auch ganz ohne Soja möglich ist. Es ist schlicht und ergreifend so, dass die Zutaten in diesem Rezept emulgieren und sich auch nicht sofort wieder trennen. Möglicherweise funktioniert das noch etwas besser, wenn man den Ölanteil reduziert. In diesem Fall bietet sich sogar an, die Sauce bei Tisch mit ein paar Tropfen vom richtig Guten zu toppen. Das Rezept ist eine Einladung an alle, damit zu experimentieren!
Die Tomatonaise geht praktisch mit allem, schmeckt bei jeder Gelegenheit und kann als Beitrag zur Verbesserung der Welt angesehen werden.

Tomatonaise, ohne Ei, Milchprodukte, Soja | pastasciutta.de

Tomatonaise

Zutaten:

für ca. 250 ml 


150 g Cherrytomaten
100 ml Sonnenblumenöl
Salz
1 Msp. Madras Curry
1 dicke, frische Knoblauchzehe
1 TL Akazienhonig
1 Spritzer Sriracha

Die Tomaten waschen und abtropfen lassen. Alle Zutaten zusammen im Standmixer oder mit einem Mixstab in einem hohen Becher zu einer Sauce mixen. Eventuell abschmecken.

Geschmackszutaten wie Honig oder Sriracha können natürlich nach Belieben getauscht werden. 

Der Ölanteil lässt sich auch reduzieren. Die fertige Sauce in diesm Fall mit gutem Olivenöl servieren!
Lammhüfte, Rösti, Zucchini, Tomatonaise | pastasciutta.de


4 Kommentare:

multikulinaria hat gesagt…

Ich gebe zu, mich auch für ein beganadetes Tomatentalent gehalten zu haben. Diverse alte Sorten im Treppenhaus vorgezogen, im Teeniealter das Gästeklo bevölkernd und dann auf dem sonnigen Balkon in Tomatenerde vorzüglich reifend. Alle sind vorbildlich rot, braun oder gestreift geworden, herrlich aromatisch und die Pflanzen üppig.
Seit im vergangenen Jahr überhaupt kein Tomatensame aufging und in diesem Februar mit Müh und Not 6 Stück (von etwa 12 gesäten), davon noch 2 die Hufe hochrissen und der Rest schwächlich blieb, hat mein Tomaten-Enthusiasmus einen Dämpfer abbekommen.
Immerhin sind die 4 Tomatenpflanzen wenigstens zu halber üblicher Größe gewachsen und tragen einige Früchte. Um so mehr weiß ich diese zu schätzen. Hoffe aber auf bessere Tomatenjahre (mit frischem Saatgut).

nata hat gesagt…

Liebe Peggy, das tut mir sehr leid und ich hoffe, im nächsten Jahr wird es wieder besser! Du hast ja im Gegensatz zu mir wirklich ernsthafte Ambitionen. In meinem Fall war die Aussage eher ironisch gemeint. Was in meinen paar Kübeln im Garten wächst oder nicht wächst, ist leider purer Zufall.

zorra hat gesagt…

Klingt köstlich! Werde ich ausprobieren. Bei mir sieht es mit den Zucchini ähnlich aus - ich sage nur Blütenendfäule und bei den Tomaten sind wir auch am Kämpfen, da ist die Tuta absoluta unser Feind. Ich konnte aber gestern trotzdem ein paar Kilo einkochen. Für Salat ist es im Sommer hier zu heiss und bei euch nun wohl auch....

Barbara Furthmüller hat gesagt…

Tomatonaise liest sich schon so lecker!

Bei mir ist das mit den Tomaten totale Glückssache! Oder vielleicht hat's auch was mit dem Wetter zu tun, dieses Jahr gedeihen sie super.

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