Montag, 17. April 2017

Frohe Ostern!

Allen Lesern wünsche ich ein schönes Fest


Freitag, 14. April 2017

Essen ist nur Essen

Am Karfreitag wird es hier religiös


Ernährung ist heute Religion, das hat sich herumgesprochen. Eifrig wird darüber diskutiert und geschrieben. Vor allem ein gewisser Fanatismus, der mit manchen Ernährungsformen einhergeht, macht sich wohl verdächtig. Wer sich selbst als Veganer darstellt, muss damit rechnen, aus dem Diskutieren nicht mehr rauszukommen. Und selbst wer keinen einzigen Veganer persönlich kennt (bisher habe ich noch nie einen Veganer getroffen), hat schon über dieses Thema gesprochen und kennt die unterschiedlichen Standpunkte. Veganer sind sich ihrer Sache oft sehr sicher. Sie verzichten auf Lebensqualität, um die Welt zu verbessern und viele von ihnen haben einen gewissen Missionsdrang. Dieses Verhalten wird von einigen Menschen als "fanatisch" oder "religiös" empfunden. Also stehen sie in der ersten Reihe, wenn es darum geht, einen Stempel als Anhänger einer "Ersatzreligion" verpasst zu bekommen.

Veganer als Paradebeispiel



Dass sich gerade an den Veganern so die Gemüter erhitzen, hat auch mit deren moralischen Ansprüchen zu tun. Immerhin haben viele von ihnen das ökologische Gleichgewicht der Erde im Sinn, wenn sie ein Tofuschnitzel zum Mund führen. Genau das ist für manch einen Fleischesser nicht zu ertragen, denn er fühlt sich unter Druck gesetzt. "Der Veganer soll mal bloß nicht glauben, dass er ein besserer Mensch ist, nur weil er zugunsten des Planeten auf alles verzichtet, was Spaß macht!" An dieser Stelle kann man erkennen, wie weit die Diskussion inzwischen fortgeschritten ist, denn die Auseinandersetzung mit der Moral der Veganer geht nun einen Schritt weiter.

Einerseits rudern viele Veganer zurück und verweisen darauf, dass sie rein aus persönlichen Gründen, wie etwa Gesundheit, auf tierische Produkte verzichten. Auf diese Weise setzen sie die Allesfresser nicht so sehr unter Druck. Manch einer fühlt sich unter dieser Prämisse sogar eingeladen, den veganen Lebensstil selbst eine Weile auszuprobieren und man darf wohl auch den Erfolg gewisser Buchautoren genau dieser Haltung zuschreiben.

Andererseits werden viele Nichtveganer ein bisschen patzig, indem sie darauf hinweisen, dass sie den moralischen Rittberger ganz easy beherrschen, ohne dabei blass und unlustig zu werden. "Pah! Vegan esse ich ganz oft aus purer Lust und einfach so nebenbei! Ich bin so natural-born vegan, dass ich oft nicht einmal merke, wie vegan ich überhaupt esse!"

Der Teufel hat den Zucker gemacht


Doch ohne das absolut Böse macht eine schöne Religion keinen Sinn. Man muss dafür noch nicht mal Veganer werden. Wer Freudlosigkeit gerne mit Satansaustreibung verbinden möchte, findet leicht eine geeignetere Konfession. Meiner Meinung nach sind die Low-carb-Jünger da ganz nah dran. Die Kohlenhydrat-Verweigerer wissen genau, wer für alle Schlechtigkeit der Welt verantwortlich ist. Der Zucker ist schuld! Er ist böse und verführt unsere Kinder! Böse Mächte stecken dahinter! Verschwörung und Industrie! Alle Krankheiten dieser Welt hängen am Zucker! Und wer ist schuld, dass uns die Jeans vom letzten Jahr nicht mehr passt? - Na, also!

Im Grunde wär das alles ganz amüsant, wenn man solche Phänomene einfach als Randerscheinungen betrachten könnte. Dann wären die Zuckerverweigerer und Tierverweigerer einfach putzige Exzentriker, die ihre persönlichen Freiheiten ausleben. Doch in Wahrheit handelt es sich um die Pop-Stars unter den Ernährungsreligionen, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die breite Masse, die jeden Tag satt werden muss, legt sich ihren eigenen Katechismus zurecht.

Orthodoxie nicht nur für Spinner


Frei von Labels wie Vegan zu sein, bedeutet noch lange nicht, sich von jeder Ernährungsreligion freizumachen. Wenn es anders wäre, dann gingen die kochenden und essenden Menschen anders miteinander um. Nicht das einzig wahre Originalrezept gekocht? Sahne an der Carbonara? Das falsche Produkt, das fehlende Bio-Label oder gar nicht selbstgekocht, - die Liste der Tretminen ist endlos und darüber zu stolpern wird keinesfalls immer nur als Patzer angesehen. Mir hat mal einer die Facebookfreundschaft gekündigt, weil meine Pasta nicht frisch ausgewalzt war. Wer mit Treibhaustomaten aus Spanien erwischt wird, darf sich gerne die Schuld für den Weltuntergang zuschreiben lassen, und zwar ganz allein und höchst persönlich! 

Umgekehrt ist das kochende Internet voll von Menschen, die höchste Glückseligkeit versprechen, wenn man nur sein Kartoffelpüree selber stampft und Fertigprodukte meidet. Das Missionieren haben die Kirchen vielleicht erfunden, aber als Konzept hat es sich längst auch bei Hobbyköchen durchgesetzt.

Aber nicht nur das. Letztlich muss man keiner Fraktion oder Gruppe angehören, um Ernährung zur Religion zu machen. Im Essen sehen wir, was gut für uns ist. Wir unterscheiden ganz klar zwischen Gut und Böse und wir übertragen diese Eigenschaften auf uns selbst. Dazu kommt das Heilsversprechen für eine ferne Zukunft, von der niemand weiß, wann sie stattfindet. Mit der einzig wahren Ernährung werden wir später sehr gesund sein. Wenn wir uns jetzt kasteien, dann wird uns ewiges Leben beschert. An was erinnert mich das nur?

Während die Bio-, Regional- und Selberkocherfraktion immer leicht die Schweißperlen auf der Stirn hat, wenn es um das Anwerben neuer Mitglieder geht, macht sich die Industrie unsere Heilssuche in der Ernährung zu nutze. In Sachen Werbung macht den Profis sowieso keiner was vor, und das bereits seit Jahrzehnten. Wer will schon in der Bibel lesen, wenn er fernsehen kann? Werbung kann so unwahrscheinlich echt und glaubwürdig rüberkommen, dass man gar nicht merkt, wie sie ein Menschenleben lang das Gehirn versifft. Das eine wahre Produkt, von dem ich mich nie trennen werde, - gut dass ich immer wieder daran erinnert werde! Und es ist ja auch wahr, selbst meine Großeltern haben das schon gegessen. Da werden Kindheitserinnerungen wach, wenn man es nur oft genug wiederholt und die Kanäle ein bisschen anpasst.

Die direkte Verbindung zu Gott


Das mutet zunächst nicht religiös an und auf manch einen mag der ganze Konsumzirkus vollkommen ideologiefrei und wenig spirituell wirken. Doch auch das machen sich unterschiedliche Branchen zu Nutze. Ganz plump und vordergründig geht das mit Produkten, die Gesundheit und Schlankheit versprechen. Aber es geht auch eine Spur subtiler. Indem man es schafft, Conveniencefood mit der Eigenschaft "besser als Frisch" zu versehen. Die Technik ist ganz einfach zu erklären. Man muss nur Werbebotschaften stetig widerholen. Und es schadet nicht, wenn man Experten und Labors auf seiner Seite hat. Das ist ungefähr so, wie die direkte Verbindung zu Gott. 

Auf diese Weise konnte uns zum Beispiel die Lebensmittelindustrie eintrichtern, tiefgekühlter Spinat sei besser als frischer Spinat. Angeblich wird der Spinat nach der Ernte sofort eingefroren und bleibt dadurch viel frischer als der Spinat, der zunächst in den Supermarkt transportiert werden muss und dann dort auf Käufer wartet. Außerdem gibt es natürlich Hohepriester, die in ihren Labors festgestellt haben, dass TK-Spinat viel mehr Vitamine enthält, als Spinat aus dem Gemüseregal. Diese Weisheiten wurden uns so lange eingebläut, bis sie wirklich jeder gefressen hatte. Wer möchte so was schon nachprüfen?

Gründonnerstag gibt es Spinat


Und nun? In der Karwoche kann man ruhig mal etwas Einfaches essen und sich dafür etwas mehr Mühe geben. Mein handgepflückter Spinat kommt aus einer kleinen Gärtnerei hier im Ort. Da steckt 'ne Menge Arbeit und Sachverstand drin, aber keine Pestizide. Der Geschmack versetzt mich in einen Rausch und ich sehe grüne Farbe. Nicht in irgendeiner Halluzination und nicht auf einer Verpackung, sondern auf dem Teller. Wer hätte je gesehen, dass Tiefkühlspinat grün ist? Und wer könnte sagen, wie der überhaupt schmeckt? Die zarten Pflänzchen blanchiere ich zusammen mit ein paar Knoblauchzehen und schwenke beides danach in Olivenöl aus Nizza. Dazu gibt es handgemachte Tagliatelle, die ich aus Baguettemehl und sizilianischem Hartweizengrieß von bon'gu hergestellt habe. Ich brauche kein Heilsversprechen durch Vitamine, die ich nicht sehen kann, wenn ich dafür etwas Frisches auf dem Teller habe. Das Ganze ist so rein, dass es fast schon als Clean durchgehen kann, also frei von Sünde nach heutigem Zeitgeist. Doch mein Essen ist nur Essen. - Es soll gut schmecken und mich satt machen. Religiöse Erbauung suche ich mir woanders.


Tagliatelle mit frischem Spinat | pastasciutta.de

Montag, 3. April 2017

Schwarzmarktsouveniers

Quick-Lunch: Romanasalat mit Hähnchenbrust

Hähnchen auf Salat mit Ingwer-Mango-Dressing | pastasciutta.de


Im Gegensatz zu vielen anderen Selberkochern habe ich durchaus Verständnis für Leute, die Fertiggerichte verwenden. Generell bin ich nicht der Meinung, dass meine Lebensweise alle anderen Menschen auch glücklich machen würde. Wer gerne mal 'ne Fertigpizza reinschiebt, muss sich dafür bei niemandem entschuldigen und bei mir erst recht nicht.

Trotzdem erkenne ich gewisse Nachteile am Fertigfutter. Einer davon ist, dass die Produkte immer gleich schmecken müssen. Jahreszeitliche Schwankungen oder gute und schlechte Jahre gibt es nicht. Ganz anders ist dagegen die Selberkocherei, gerade jetzt, im Frühling. Der Direktverkauf auf den Höfen kommt langsam in Fahrt. Eine kleine Gärtnerei in unserem Ort hat winzig kleine, wohlschmeckende Salate, der erste Spargel kommt raus und der zwischendurch mal vergessene Rübstiel entwickelt sich gerade zur Modedroge. Jede Woche entdecke ich etwas Neues und trage es freudig in meine Küche. Warum sollte ich mir diesen Spaß entgehen lassen?


Das war der Schwarzmarkt VII


Und dann ist da noch der Spaß mit anderen Selberkochern im Marieneck. Zweimal im im Jahr treffen sich alle, die etwas (für) Selbstgemachtes übrig haben, beim Schwarzmarkt. Der Lebensmitteltausch oder Foodswap in Köln-Ehrenfeld ist eine zuverlässige Gelegenheit, um Neues zu entdecken. Ungefähr zwei Stunden lang probiert man leckere Sachen und plaudert mit netten Leuten. Wenn man Glück hat, dann läuft es so wie gestern, beim Schwarzmarkt VII, und Manfred Schellin zieht ununterbrochen vor aller Augen köstliches Brot aus dem Ofen. Torsten hat dazu frisch Butter aus Frankreich besorgt, ungefähr 30 verschiedene Produkte werden getauscht. Jörg Utecht, Organisator des Schwarzmarktes, hat sie gezählt. - Ein Fertigprodukt, das Chezuli-Bernd als Mango-Ingwer-Konzentrat bezeichnet und eigentlich für Getränke empfiehlt, wird mir noch viel Freude bereiten, das schmecke ich sofort.

Heute Mittag dann das für Montag übliche Kommando in Richtung Kühlschrank: Alles muss raus! Und so gibt es leckeren Romanasalat aus Frechen mit Honig-Hähnchenbrust, gebratenen Kreuzkümmelmöhrchen, Tomaten und Erbsenkraut von der Fensterbank, - mit einem leckeren Dressing aus Ingwer-Mango-Konzentrat.

Meine Kamellebud auf dem Schwarzmarkt | pastasciutta.de


Mein kleiner Beitrag zum Schwarzmarkt bestand übrigens aus zwei Sorten Fudge. Es gibt dafür zahllose Rezepte im Netz. Im Wesentlichen bestehen sie immer aus Zucker, Sahne und Butter. Eine meiner Sorten enthielt Honig und weiße Schokolade, die andere Vanille und Schokolade.




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