Sonntag, 27. November 2016

Chablis riechen, schmecken und hübsch hinstellen

Blogger-Workshop mit Weinprobe


Chablis Premier Cru mit Käse und Landkarte | pastasciutta

Wenn es auf der Welt nur eine Person gibt, die Chablis liebt, dann ist es wahrscheinlich Patricia Chalumeau Morozov. Ganz sicher habe ich Chablis ebenfalls sehr gerne, aber bei mir spielt sich die Weinliebe eher in der Situation am Tisch ab. Wenn ich an einem Glas Chablis schnuppere, kommen schöne Erinnerungen. Mit jedem Schluck denke ich an feierliche Restaurantbesuche und rauschende Feste. Bei Patricia hat die Beziehung zum Chablis dann schon deutlich mehr Substanz. Die Sommelière kennt die Region, weiß wie der Wein wächst und was das Wetter mit den Reben anstellt. Ihre Augen leuchten ganz besonders, wenn sie von den Winzern erzählt. Die Französin rät zu einem Besuch: Fahren sie nach Chablis! Die sind dort alle sehr gastfreundlich. Zum Glück ist das aber nicht notwendige Voraussetzung, um Chablis zu trinken. Bei einer Verkostung in Düsseldorf durfte ich mich gestern von der Expertin ein bisschen mit Fachwissen und Leidenschaft anstecken lassen.

Chablis-Expertin Patricia zeigt vollen Einsatz | pastasciutta.de

Was ist Chablis?


Die kleine Gemeinde Chablis gibt dem berühmten Weißwein ihren Namen. Es handelt sich um ein Anbaugebiet im nördlichen Burgund. Lyon ist etwa 288 Kilometer entfernt, bis nach Paris sind es 186. Viel näher liegen klingende Namen wie Pouilly-sur-Loire, Sancerre oder Nuits-St.-Georges. Die Landkarte liest sich rings um das Anbaugebiet wie eine ziemlich edle Weinkarte. Und mittendrin das kleine Chablis, das nur eine einzige Rebsorte kennt. Ausschließlich Chardonnay wächst auf den Hängen entlang des Flusses Serein. Große Namen lauten hier Blanchots, Bougros, Les Clos, Grenouilles, Preuses, Valmur und Vaudésir. Bemerkenswert ist, dass die Winzer es verstehen, ihre Weine dennoch ganz unterschiedlich auszubauen.

Patricia ganz bei der Sache: Petit Chablis

Das eiskalte Problem im Frühjahr


Mitten im kontinentalen Europa gelegen und relativ weit nördlich, macht dem Chablis vor allem das Wetter zu schaffen. Oft überziehen Nachtfröste noch im Mai die Weinberge. Dagegen hat man sich lange Zeit mit ölbeheizten Öfen geholfen. Inzwischen stehen auch andere Methoden zur Verfügung, wie etwa elektrische Heizdrähte. In den Grand Cru Lagen und einigen der Premier-Crus setzt man auf relativ teure Beregnungsanlagen, mit denen die Pflanzen mit Wasser überzogen werden. Weil beim Übergang von Wasser zu Eis offenbar Kristallisationswärme abgegeben wird, schützt diese Technik die Pflanzen vor Frostschäden.

Wein mit Käse auf Holziste | pastasciutta.de

Zu den wichtigen Dingen: Chablis und Essen


An einem stinknormalen Samstag in Düsseldorf kann ich diese Geschichte kaum überprüfen und ehrlich gesagt, kommt es auch gar nicht so sehr darauf an, wie gefrorenes Wasser nun den Wein vor Frost schützen soll. Die entscheidende Frage ist ja, wie der Wein eigentlich schmeckt. Patricia hat sechs Weine der vier unterschiedlichen Appellationen mitgebracht, die wir mit mehr oder weniger passendem Essen verkosten. Eine Ingwer-Karottensuppe mit viel Curry finde ich zum Chablis schwierig. Um den Premier Cru aus Vaillons von Jean Paul & Benoit Droin tut es mir sogar ein bisschen leid, weil die dazu gereichten Garnelen an sich schon mickrig sind und zudem nach dem Curry aus der Suppe schmecken. Andere Kombinationen, wie etwa eine Quiche mit Ziegenkäsecreme zum Chablis von Moreau et Fils finde ich hingegen sehr passend. Für den gebratenen Zander scheint der dazu gereichte Grand Cru aus Blanchot von Laroche wie gemacht.

Aus meiner Sicht sind Chablisweine eine perfekte Begleitung zum Essen. Es handelt es sich durchweg um frische Aromen, teilweise mit stahliger Säure und manchmal fruchtigen Noten. Süße Weine aus dem Chablis gibt es nicht.


Für die Zukunft nehme ich mir vor, irgendwann noch einmal ins nördliche Burgund zu reisen. Dann gehe ich auf den Markt, schnuppere ein bisschen an fetten Andouillettes, klemme mir ein Baguette unter den Arm und setze mich in ein Café. Zu einem frischen Petit Chablis verputze ich einen riesigen Gougère, während ich den Franzosen beim Einkaufen zusehe. Ganz so, wie Patricia es beschrieben hat. 


Denise Renee Schuster beim Aufbau | pastasciutta.de


Achtung, das Auge isst mit!


Essen kann durchaus auch schön aussehen. Damit wir was lernen und den Wein richtig in Szene setzen können, sitzen wir ja im Whiteloft in Düsseldorf und lauschen Denise Renee Schuster. Bei Denise dreht sich alles um die gelunge Optik. Die Foodstylistin referiert über Grundlagen beim Fotografieren. Manche Probleme kennt jeder Foodblogger und einige davon weiß Denise zu lösen. Wie Essen vor der Kamera besser aussieht, weiß sie aber auf jeden Fall. Sie hat einen ganzen Tisch voller Ausstattungsgegenstände zusammengestellt, Kerzen, Teller, Schälchen, kleine Schildchen, rosa Pfeffer, was man halt so braucht. Auf dem Büffet stehen Lebensmittel, die zum Wein passen. 
Denise zeigt, wie man ein Set mit Wein aufbaut und lässt uns danach selber loslegen. Ich trage eine Flasche Chablis Premier Cru und ziemlich läufigen Käse durch den Eventloft und stelle beides mal hier, mal dort in die Kulisse. So kommt es zu den Weinfotos in diesem Beitrag. 

Wie findet Ihr die Bilder? Eine hobbymäßige Foodstylistin wird aus mir wohl niemals werden. Heute Mittag bin ich mal wieder gnadenlos daran gescheitert, dass ich die attraktiv gebräunten Zwiebeln schon zur Hälfte aufgegessen hatte, bevor das Fleisch auf dem Teller landete. Auch, wenn es anders hübscher ist, bestimmt bei mir am Ende doch der Bauch, was auf meinen Bildern zu sehen ist.


Der Profi weiß halt, was man so braucht


Für die Einladung nach Düsseldorf geht mein Dank an den Chablis Weinbauverband BIVB. Ebenso bedanke ich mich bei Patricia Chalumeau Morozov für die warmherzige Präsentation der Weine und der Region. Großes Dankeschön an Denise Renee Schuster für die Einführung ins Foodstyling und Fototipps. Es hat sehr viel Spaß gemacht!


6 Kommentare:

Barbara Furthmüller hat gesagt…

Chablis - auch bei mir kommen da Erinnerungen ans Burgund und die Weinberge hoch und an das entspannte Leben dort. Du machst mit Deinem Bericht richtig Lust, da mal wieder hin zu fahren und gut zu essen und zu trinken.

Was Foodstyling angeht, ich finde es bewundernswert, was alles geht. Leider verwechsle ich inzwischen viele Blogs, weil die Fotos sehr ähnlich gestaltet sind. Und wenn ich dann höre, dass nur für das Blog fotografiert und dann das Essen weggeworfen wird, ist das einfach eine ganz andere Art des Bloggens. Ich persönlich nehme das Essen wichtiger als die Fotos für die Online-Präsenz. Wobei ich bei jedem dieser Workshops auch etwas lerne und mitnehme. Deine Fotos vom Event gefallen mir.

nata hat gesagt…

@Barbara: Aus mir wird im Leben keine gute Fotografin und erst recht keine Foodstylistin mehr. Aber ein bisschen Handwerk kann ja nicht schaden. Dass manche Blogs sich in der Bildästhetik so sehr ähneln, bereitet mir auch Schwierigkeiten, weil ich viele echt nicht auseinanderhalten kann. Aber zum Glück kann ja jeder selbst entscheiden, was er in seinem Blog veranstaltet.

Gottfried hat gesagt…

Hallo, Du sollst mir dein Essen erzählen. Wer braucht da Profiessensfotoanleihen?

Dass allerdings Essen nach dem Fotografieren weggeworfen wird, überrascht mich. Ich kenne keine BloggerInnen,die das tun.

nata hat gesagt…

@Gottfried, niemand hat Essen weggeworfen, alles wurde brav aufgegessen! Das Sprichwort sagt ja, über Köln da lacht die Sonne, über Düsseldorf die ganze Welt. Ich dachte, wenn ich den Teller leer esse, kann ich dadurch irgendwie helfen.

Gottfried hat gesagt…

Sag ich ja schon lange, dass Du ein gutes Mensch bist.

nata hat gesagt…

Vielen Dank @Gottfried! Ich hatte gehofft, dass es irgendwann auffällt.

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