Montag, 7. März 2016

Bitte vorsichtig zum Mund führen!

Tagebuchbloggen: Kaiserschmarrn am Sonntagnachmittag


Kaiserschmarrn | pastasciutta.de


Richtig amtlichen Kaiserschmarrn gibt es nur in Österreich. Bei mir ist es mit der Sachkenntnis dagegen nicht sehr weit her. - Dafür habe ich aber die lustigsten Rosinen. Hätte ich nicht irgendwann entdeckt, dass im hintersten Eckchen des Vorratsschranks alte Trockentrauben sich in Rum vergnügten, hätte es in diesem Haus vermutlich überhaupt keinen Kaiserschmarrn gegeben. Um dieses Rezept so nachzukochen, muss man also unbedingt drei Jahre im Voraus planen. Die Rosinen oder Sultaninen legt man in ein Glas, gießt Rum darüber und schraubt es zu. Dann versucht man, das Glas zu vergessen. Der Rum muss nicht unbedingt Matusalem sein, aber etwas halbwegs Ordentliches haben die Rosinen verdient. Wer will schon von einem zerfetzten Pfannekuchen Kopfschmerzen kriegen?

Um den Kaiserschmarrn und seinen Namen ranken sich mehrere Legenden, wie das halt so ist. Ich halte es durchaus für möglich, dass die Hofschranzen befürchteten, der olle Kaiser könnte sich mit Messer und Gabel das adelige Antlitz verletzen. Aus diesem Grund musste der Leibkoch die Eierspeise mit zwei Gabeln zerrupfen, damit das Gericht sicher den hochwohlgeborenen Verdauungstrakt erreicht. Die intellektuelle Hürde des Essens mit Messer und Gabel ist nicht für jeden Menschen gleichermaßen leicht zu nehmen. Gerade in Kreisen des Hochadels wurden über die Jahrhunderte Traditionen gepflegt, die sehr spezielle Talente hervorbrachten. Bitte schlagen Sie beim Thema Ahnenschwund nach. Und dann führen Sie die Gabel vorsichtig zum Mund, sicher ist sicher.

Wie schon gesagt, das richtige Vorbild für meinen Kaiserschmarrn fehlt mir, da ich bisher nie welchen im Kaiserschmarrn-Land gegessen habe. Deshalb zückte ich ein altes, zerfleddertes Kochbuch, als mir zum ersten Mal auffiel, dass die Rumrosinen gerade in Stimmung sind. Seitdem steht das Rezept für mich fest, auch wenn es vielleicht bessere gibt. Hauptsache, meine liebevoll vergessenen Rumrosinen dürfen ans Tageslicht.

Eier, Mehl, Zucker, Butter und Rumrosinen


Kaiserschmarrn

Zutaten:

für 1 Person



1 Ei
2 Tl Zucker
1 geh. EL Mehl
ca. 60 ml. Milch
1 Prise Salz
2 TL Butter
1 EL Rumrosinen 


Puderzucker

Ein Ei trennen. Das Eigelb mit Zucker, Mehl und Milch verrühren und kurz stehen lassen. Das Eiweiß mit 1 Prise Salz schaumig schlagen. In einer kleinen Pfanne 1 TL Butter aufschäumen. Das Eiweiß mit dem Salz steif schlagen und unter das Eigelb ziehen. Die Masse in die Pfanne gießen und an der Unterseite fest werden lassen. Die Rumrosinen darauf verteilen. Den Schmarrn wenden und den Rest Butter in die Pfanne geben. Wenn auch die zweite Seite fest ist, den Eierkuchen mit zwei Gabeln oder einem Pfannenwender in Stücke rupfen. Dick mit Puderzucker bestreuen und servieren.

7 Kommentare:

sammelhamster hat gesagt…

Ich geh' mal Rosinen einlegen :D

nata hat gesagt…

Das Gericht lässt sich gut vorbereiten. Nach dem Einlegen hat man ja erst mal Zeit. ;-)

Susi L. hat gesagt…

Hiermit bekommst du den amtlichen Sanktur aus Wien, dass dieser Kaiserschmarrn als selbiger auch hier durchgehen würde. Sehr schön schaut der aus! :)

Susi L. hat gesagt…

Sanktus ... sorry!

nata hat gesagt…

@Susi L.: Vielen Dank, das ist sehr nett! Aber sicherheitshalber muss ich irgenwann noch einmal nach Österreich kommen, um das zu überprüfen. ;-)

Sus hat gesagt…

Meine Güte, ist das schwierig, bei Dir zu kommentieren.

Ich glaube, ich habe da auch noch irgendwo eingelegte Rosinen ganz hinten im Kühlschrank; zwar erst seit Weihnachten, aber das macht ja nichts. Danke für die Erinnerung :-)

Liebe Grüße, Sus

nata hat gesagt…

Tut mir echt leid, @Sus. Ich glaube, ich hab das gar nicht so richtig im Griff, mit diesen Einstellungen. Aber irgendwie bist Du ja doch durchgekommen. :)) Und drei Monate oder drei Jahre, das ist bei Rosinen wie ein paar Sekunden mehr oder weniger beim Tee. - Liebe Grüße zurück!

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