Sonntag, 2. November 2014

Expedition ins Frankenland - Teil 1

Es gibt ja so Reiseziele, da stimmt einfach alles. Wunderschöne Landschaft, herzensgute Menschen, tolles Essen. Niemand würde etwas anderes erwarten, wenn er zum Beispiel in die Toskana führe. Doch Franken? Ganz ehrlich, bisher hatte ich das einfach nicht auf meinem Plan. In Franken reden sie doch so komisch. Und die Franken gehören auch nicht zu den Stämmen, die ständig alle mit ihrer Begeisterung über die eigene Existenz belästigen. Eher im Gegenteil, es sind immer die Franken selbst, die auf ihre wenig extrovertierten Umgangsformen hinweisen. A weng sperrig nennen sie das. In einem anderen Zusammenhang habe ich diesen Ausdruck noch nie gehört. Auf diese Art halten die Einheimischen quasi geheim, wie schön es in der Region um Nürnberg ist.

Aber irgendwann musste das ja vorbei sein. Spätestens seit dem Foodcamp Franken 2014 ist da nix mehr zu machen. Franken ist top, und jetzt wird es sich überall herum sprechen. Foodblogger aus ganz Deutschland und aus England haben die Region entdeckt und ich durfte an der atemberaubenden Tour teilnehmen.

Nürnberger Bratwürste, Bratwursthäusle
Nürnberger Rostbratwürstchen, auf Buchenfeuer gegrillt.
Mit einer Kleinstgruppe, bestehend aus Jörg und Torsten, kam ich am Donnerstag, pünktlich zur Mittagszeit, in Nürnberg an. Wir checkten in das nagelneue Sorat Hotel Saxx am Hauptmarkt ein. Wir wurden freundlich begrüßt und beschenkt, mit Lebkuchen, Spielzeug und Bier, was man halt so braucht. Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt warteten schon die bereits eingetroffenen Foodcamper bei feinstem Sommerwetter, unter lauschigen Bäumen auf der Terrasse des Bratwursthäusle. Dort kamen zunächst einzeln und dann auch in ernst zu nehmenden Mengen herrliche Nürnberger Bratwürste an, über Buchenfeuer gegrillt, als blaue Zipfel, in würzigem Sud gar gezogen und in der geräucherten Variante. Dazu gab es Kartoffelsalat, mit Fleischbrühe angemacht, Sauerkraut, fränkischen Meerrettich und Brezeln, alles sehr schmackhaft und appetitlich. Mit Nürnberger Rostbratwürsten, wie sie außerhalb von Nürnberg serviert werden, hat das nur wenig zu tun.

Werner Behringer, Bratwursthäusle
Werner Behringer, Chef vom Bratwursthäusle, empfiehlt Bratwürstchen.


Bratwursthäusle im  Oktober 2014


Mit dem Bus, der uns während des gesamten Foodcamps etwa 436km durch Franken fahren sollte, ging es nach Schnaid zu Andreas Gänstaller. Andreas braut handwerkliches Bier in einem alten Brauhaus, mit Kühlschiff unterm Dach. Der ganze Vorgang des Brauens, der normalerweise für Zuschauer nicht sehr unterhaltsam ist, wird dadurch höchst spektakulär. Andreas ließ vor unseren Augen die heiße Würze auf den Hopfen in das riesige Becken fließen. Danach gab es in seiner improvisierten Probierstube drei abgefahrene untergärige Biere zu probieren, ein sehr köstliches Zwickel, ein bombastisch-fruchtiges Doppelbock-Weizen und ein pfeffriges Baltic Porter. Alle Biere bewegten sich auf einer Qualitätsstufe, auf der ich nicht mehr gerne unterscheide, jedes für sich war eine Sensation.

Brauerei von Andreas Gänstaller, Schnaid


Weinexperte wartet auf die Würze

Die heiße Würze fließt in das Kühlschiff


Wellness mit heißen Hopfendämpfen

Die nächste Sensation wartete auf uns in der Nürnberger Altstadt, wo wir am Abend im Essigbrätlein angemeldet waren. Sein Ruf eilt diesem 2-Sternetempel zwar voraus, doch mir war nicht klar, wie großartig dieser Abend werden würde. Das gemütliche Altstadthaus empfing uns mit einladend warmer Atmosphäre, die wir sogleich mit Leben füllten. Das freundliche und sympathische Team bewirtete uns mit einem Feuerwerk aus Gemüse und anderen Pflanzen, Fisch, Täubchen und Schokolade. Wer hätte gedacht, dass „Brotcreme“ sowas Tolles ist? Oder fermentierte Erbsen? Dass ich wirklich Eberesche gegessen habe? Dass Täubchen auch saftig und lecker sein kann? Und dass man sich in einem Sternerestaurant hinterher noch gierig Schokolade mit Nüssen, Kräutern oder Himbeeren in den Mund stopft? Nicht, weil man nicht satt geworden wäre, sondern einfach deshalb, weil es so schön war und bitte nicht aufhören soll. Die ganze Zeit begleiteten passende Weine jeden einzelnen Happen und ich bedauerte sehr, dass meine Aufnahmekapazität für Alkohol eigentlich schon nach den ersten beiden Gläsern erschöpft war. Was mich aber nicht davor bewahrte, nach dem Essen noch in ein Taxi zu steigen und mir irgendwo in einer Bar einen Eimer voll Negroni servieren zu lassen. - Nürnberg, Du bist großartig!

Nun folgt ein ganz kleiner Blick durch die trübe Linse auf eine Sache, die sowieso viel zu groß war, um sie auf Bildern festzuhalten. Insgesamt hatten wir sieben Gänge plus einiger Appetithappen, plus Brot und Bohnenbutter, plus Schokolade und mit passender Weinbegleitung. 

Essigbrätlein, Nürnberg
Dritter Gang: "Bohnen mit Zwiebel", - für viele von uns war es der Lieblingsgang des Abends.

Essigbrätlein, Nürnberg
5. Gang: "Karotten mit Kräutern", - und Eberesche.

Essigbrätlein, Nürnberg
Das Foodstyling zeigt Humor. Am Ende der "Blutspur" aus Brombeeren befindet sich ein butterzartes Täubchen.

Essigbrätlein, Nürnberg
Bitte, lass diesen Abend noch nicht vorbei sein, - das war sooo schön!

Das war Teil 1 meiner Expedition nach Franken. Mehr von dieser Reise erzähle ich bald an dieser Stelle!

Alle Links zum Foodcamp Franken 2014

Foodcamp Franken 2014 fand vom 16. - 19. Oktober 2014 mit Basis in Nürnberg statt. Die Reise wurde organisiert von Florian Bailey, Torsten Goffin, Anja Reinhardt und Claudia Hinnerkopf (beide Bayern Tourismus Marketing GmbH). Allen, die diese Reise möglich gemacht haben, danke ich auf Knien. - Nicht nur, weil die Kosten dieser Reise von Bayern Tourismus Marketing übernommen wurden. So viel Liebe und Herzblut wie in dieser perfekt organisierten Veranstaltung steckt, kann man sowieso nicht in Zahlen ausdrücken. Darüber hinaus danke ich den fleißigen und ehrlichen Handwerkern, die uns ihre Stuben, die Wurstküche, die Backstube, ihre Keller und ihre Weinberge geöffnet haben, und die uns am Samstag in Nürnberg besuchten!

6 Kommentare:

Claus Schlemmer hat gesagt…

Da hat´se recht! Ich muss dat wissen. Ich hab´ am gleichen Tisch gesessen!

Bella hat gesagt…

Das glaube ich gern - ich wünschte, ich hätte auch an selbigem gesessen...
Bin ich neidisch?... Vielleicht ein bisschen, aber ich gönn es euch von Herzem, klingt nach einer tollen Reise :)
LG

nata hat gesagt…

@Claus, das war ein netter Tisch an einem ganz besonderen Abend!

@Bella: Wir setzen uns demnächst einfach man an einen anderen Tisch. Ich wette, da haben wir auch Spaß. ;-)

sammelhamster hat gesagt…

Jetzt,wo du erste Berührungspunkte mit Franken hattest, wird es Zeit für ein Treffen in Würzburg:-)

nata hat gesagt…

@Noémi, ich war mir immer ganz sicher, dass Euer Treffen mein erstes Ziel im Frankenland sein sollte. Jetzt gehöre ich schon zu den Fortgeschrittenen, wenn ich irgendwann mal daran teilnehmen werde.

Peter G. Spandl hat gesagt…

Danke Nata, hoffe weitere Teile folgen bald.
Ich versuche hier eine Linksammlung aktuell zu halten:
Ich habe jetzt eine Linksammlung zusammengestellt
http://aus-meinem-kochtopf.de/2014/das-foodcamp-franken-im-internet/
Falls ich etwas übersehen habe, lasst es mich bitte wissen.

Grüße, Peter

LinkWithin

Related Posts with Thumbnails