Donnerstag, 17. Februar 2011

Pasta #39 - Kulinarische Entdeckungen einer Achtjährigen

Ein kleines Mädchen streift durch eine Grünanlage. Nach ein paar Schritten liest die Kleine etwas vom Boden auf, wieder und wieder. Dann trägt sie ihre Beute zu einem Mäuerchen und klopft mit einem Stein, den sie ebenfalls vom Boden aufgehoben hat, darauf herum. Was ist das? Etwas zu Essen?

Ich war acht Jahre alt, als ich diese Szene vom Fenster aus beobachtete. Wir verbrachten zum ersten Mal unsere Sommerferien in Südfrankreich und ich hielt Ausschau nach Unterhaltung. Eine Freundin zum Spielen, das wäre klasse! Aber eine sachkundige Gleichaltrige, die essbares Zeug vor der Haustür findet, wäre ein Haupgewinn!

Meine Eltern fanden es okay, dass ich vor dem Haus in der Grünanlage spielen wollte, und so zog ich los. Den Blick heftete ich gleich auf den Boden, denn schließlich mußte dort irgendwas Tolles liegen. Was nur? Ich hatte keine Ahnung, wonach ich suchen sollte. Abgesehen von langen Kiefernnadeln lagen überall nur Segmente aus den Zapfen herum. Was hatte es damit auf sich? Dass man diese Zapfenschuppen nicht essen kann, dachte ich mir gleich. Na ja, Probieren kostet nix. Erst mal eine schöne Stelle auf dem Mäuerchen zum Draufrumhauen suchen und dann ausprobieren.

Was ich auch versuchte, die Klopperei brachte kein Ergebnis. Erst als Sophie auftauchte, kam Licht in den Pinienhain. Das Mädchen aus der Grünanlage hatte mich ebenfalls beobachtet und zeigte mir nun den Schatz vor meinen Füßen: Unglaubliche Mengen von Pinienkernen lagen überall unter den Bäumen. Man musste nur sehr genau hinsehen, weil die kleinen Nüsschen gut getarnt waren. Eine schwarze puderige Schicht umhüllte die harte Schale. Sophie zeigte mir, wie man die Pinienkerne mit Hilfe eines Steins öffnete.

Für diesen Urlaub hatte ich eine Freundin gefunden. Dass wir nicht die gleiche Sprache sprachen, war eher aufregend als problematisch. Nur am Tag vor unserer Abreise ließ ich mir von meiner Mutter etwas auf einen Zettel schreiben, um mich von Sophie zu verabschieden. Leider kam es dabei zum ersten Mal zu Schwierigkeiten in der Verständigung. Ich glaube, meine Mutter musste das später aufklären.

Pinienkerne erinnern mich immer an diesen Urlaub, an Sophie und daran, dass es Orte gibt, an denen Pinienkerne kostenlos und massenhaft auf der Erde herumliegen. - Einfach so!

Die andere Sophie hat mir gestern mit ihrer Schwärmerei gehörig Appetit gemacht. Und so kam es zu diesem Mittagessen: Pasta mit Brokkoli, eingelegten Tomaten und Pinienkernen. Das Gemüse habe ich knapp gar gekocht und dann in einer Mischung aus Butter und Sahne geschwenkt, mit etwas Knoblauch, Salz, Pfeffer und Muskat. Danach wurde es mit der heißen Pasta und den in Streifen geschnittenen Tomaten gemischt. Ein paar geröstete Pinienkerne und Parmesanspäne darüber, - und fertig!

9 Kommentare:

Mini-Küche hat gesagt…

Was für eine schöne Geschichte! Für Kinder ist es so einfach Freundschaften zu schließen, beneidenswert :)

Und weil mir das Rezept bei Sophie schon so gefallen hat, dein Post samt Foto wieder dran erinnert und ich heute einen tollen Brokkoli erstanden habe, gibts das heute Abend auch bei mir :)

Liebe Grüße,

Lilly

Anikó hat gesagt…

Aaah, gut zu wissen, dass die schwarze Puderschicht normal ist, dachte die Kerne aus meinem Zapfen auf der Heizung seien verschimmelt.

Das Rezept ist in der Tat super und hatte länger keine Nudeln mehr. Steht dem Genuss also nichts im Wege :-)

zorra hat gesagt…

Wirklich eine schöne Geschichte. Mit dem Hammer lassen sich die Kerne übrigens auch öffnen - http://kochtopf.twoday.net/stories/cookids-ohne-kinderkitchen-pesto-alla-genovese/ - aber sehr vorsichtig draufhauen. ;-)

Sabine hat gesagt…

Vielen Dank für so eine schöne Geschichte! Ich habe gerade die Pasta-Phase und Dein Rezept kommt mir gerade recht.

Irina hat gesagt…

Schöne Geschichte, schönes Essen, schönes Foto :)

lamiacucina hat gesagt…

Nun bin ich schon so alt, und habe noch nie einen Pinienkern gefunden !

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Ich suche und finde auch oft in Italien Pinienkerne. Gegessen habe ich sie nie, aber eingetopft und wachsen lassen. Ein Exemplar hat es überlebt und ist etwa 80 cm groß geworden und steht auf unserer Terrasse.

Heike hat gesagt…

traumhaft schön...ja ich mag die Pinienwälder sehr..und die Kerne auch im Essen..schönes WE wünscht Heike

Sophie hat gesagt…

Hatte ich fast vergessen...Eine weitere (Pinienkern-)Verrückte. Dank Zorra weiss ich jetzt auch, dass ich einen Hammer zum Öffnen brauche. Und ich Idiot hatte es mit den Zähnen versucht ;-) ;-)

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