Montag, 15. November 2010

Als Fernsehwerbung noch Appetit machte


Kindheitserinnerungen mal wieder. Es muss in den Siebzigern gewesen sein, als die Fernsehwerbung "Böhmische Knödel" zeigte. Sowas kannte damals bei uns kein Mensch. Das Produkt war größer als das, was wir uns unter Klößen vorstellten. Es war länglich und wurde, hey, ganz spektakulär, mit einem Faden durchgeschnitten.

Ich ging der Werbung voll auf den Leim. Weil bei uns zu Hause nicht gerade Wunschkonzert für Kinder stattfand, mussten eben die Großeltern daran glauben. Meine Oma kaufte das Fertigprodukt mir zuliebe, bereitete es zu und schnitt vor meinen Augen mit einem Stück Zwirn dicke Scheiben runter. Ich war begeistert! Zeitweise waren Böhmische Knödel meine absolute Wunschbeilage, abgesehen von Fritten, denn die laufen außer Konkurrenz.

Irgendwann habe ich die Böhmischen Knödel aus den Augen verloren und inzwischen hege ich den Verdacht, dass es das damals beworbene Produkt gar nicht mehr gibt. Vergangenen Winter sah ich die länglichen Klöße dann in verschiedenen Blogs. Jetzt habe ich sie endlich selber zubereitet, mit einem Rezept von Alfons Schuhbeck.

Obwohl mich die Erfahrung mit den Kartoffelklößen lehrt, dass Schuhbecks Rezepte ziemlich genau passen, musste ich in diesem Fall ein paar kleine Änderungen vornehmen, die aber nur meinen Wunsch geschuldet waren, während der Zubereitung eine Runde um den Weiher drehen zu wollen. Außerdem wollte ich statt Stoffserviette lieber Frischhaltefolie verwenden. Hat aber alles problemlos geklappt.

Hier also meine Version von Schuhbecks Rezept:

5 Scheiben Toasbrot in feine Würfel schneiden und in Butter goldbraun braten und etwas abkühlen lassen.

In einer Schüssel 250 g Mehl, 175 ml Milch, 1/2 Tl. Salz, 1 Prise Zucker, etwas Muskatnuss, 1 Ei, 1 Eigelb, 1/2 Würfel Hefe zu einem glatten Teig rühren.

Brotwürfel unter den Teig mischen und den Teig etwa 20 Minuten abgedeckt ruhen lassen.

Den Teig auf drei Stücke Frischhaltefolie, die mit neutralem Öl eingepinselt wurden, aufteilen und dabei zu einer Art "Wurst" formen. Die Folie locker schließen, so dass der Hefeteig sich ausdehnen kann.

Die Teigrollen für anderthalb Stunden in den Kühlschrank geben.

Nach der Gehzeit die Folien dicht verschließen und mit einer zweiten Lage Folie umwickeln. Dabei wieder so verfahren, dass noch etwas Platz zum Ausdehnen bleibt.

Klöße in leicht siedendem Wasser etwa 35 Minuten garen und zwischendurch wenden.


Reste aufwärmen: In einem Topf mit Dämpfeinsatz Wasser zum Kochen bringen und den Einsatz mit einem Blatt Backpapier belegen. Eine Kloßrolle in Scheiben schneiden und die Scheiben auf das Papier legen. Im heißen Dampf etwa drei Minuten aufwärmen. Schmecken aufgewärmt so gut wie frisch.




Dieses Foto hättet Ihr zu sehen bekommen, wenn ich gleich gestern abend gebloggt hätte. Tolle Erkenntnis, abends isses dunkel.

Noch eine Erkenntnis: Mit einem scharfen Messer lassen sich die Klöße mindestens ebenso gut schneiden wie mit dem albernen Faden!

17 Kommentare:

kochschlampe.com hat gesagt…

Fremde Welten, Kloßwelten.
Anikó will damit ja das nächste Synchronkochen machen. Von daher: danke für's Vorturnen!

Christina hat gesagt…

Ist doch aber schön, dass Du für´s Foto retromäßig mit dem Faden geschnitten hast! ;-) Die Fleischbeilage sieht auch lecker aus, was ist das?

nata hat gesagt…

@kochschlampe: Bei fremden Kloßwelten spricht man wohl von böhmischen Dörfern.

@Christina: Bei dem Fleisch handelt es sich um Rinderragout, mit Zwiebeln und Rotwein geschmort und mit Wacholder gewürzt.

lamiacucina hat gesagt…

Hats denn so geschmeckt, wie in den siebziger Jahren ?

nata hat gesagt…

@lamiacucina: Gute Frage, darauf hätte ich wohl noch eingehen sollen. Eigentlich lassen sich beide Klöße nicht vergleichen. Der selbstgemachte schmeckt (wen wundert es, bei der Rezeptur) eher brotartig. Der Fertigkloß schmeckte halt nach Fertigfutter ;o)

Die andere Seite hat gesagt…

Sieht sehr lecker aus! ;0)
GLG Maren
PS: Ich habe leider keine Stickmaschine, also alles reine "Handarbeit" ;0)

...Frau Kampi... hat gesagt…

Die Großmutter väterlicherseit des Herrn Kampi war eine Böhmin. Sie muss die Knödel immer für ihre recht große Familie gekocht haben, allerdings ohne Brot. Das Rezept hat sie an ihre Schwiegertochter weitergegeben. Nur leider ist das NICHT meine Schwiegermutter! Aber diese Tante bereitet die Knödel auch heute noch nach diesem Rezept zu. Und dann bekommen alle welche ab. Die lassen sich in Scheiben geschnitten super einfrieren und gleich gefroren wieder aufdämpfen. Und das Backpapier ist eigentlich unnötig im Dampfeinsatz.
Irgendwann werde ich das Originalrezept auch noch ergattern! Und dann erzähl ich es weiter!

Hesting hat gesagt…

Hast Du böhmische Knödel gesagt?
Dafür könnte ich jetzt noch sterben.
Nicht wegen des Fertigproduktes, sondern weil uns unser jährlicher Skiurlaub in die Tschechoslowakei geführt hat und es dort fast allabendlich Fleisch mit Knödeln gab.
Sah nicht viel anders aus als bei Dir.
Sagte ich schon, daß ich dafür sterben könnte? :D

Ich bin mir übrigens sicher, daß die Knödelscheiben von der Köchin mit einem Messer vom Kloß heruntergeschnitten wurden.

nata hat gesagt…

@Maren: Danke!

@Frau Kampi: Backpapier ist schon notwendig. Das kommt halt auf den Dämpfeinsatz an. Meiner ist sehr alt und war sehr billig.

@Hesting: Du musst ja nicht gleich sterben. Die Knödel sind wirklich sehr einfach zu machen. Die Nummer mit dem Faden ist nicht notwendig, da bin ich mir sicher.

...Frau Kampi... hat gesagt…

Also ich dämpfe sie immer ohne Backpapier, ich hab auch den ganz einfachen billigen Dämpfeinsatz, der sich jedem Topf anpasst.
Das geht!

nata hat gesagt…

@Frau Kampi: Okay, dann ist Deiner besser gepflegt ;o) Ich benutze meinen sonst nur, um ein Sieb reinzuhängen, wenn ich ein Wasserbad mache. Das Teil ist völlig korrodiert. *schäm*

...Frau Kampi... hat gesagt…

Na da brauchste Backpapier! Es ist doch bald Weihnachten, vielleicht bringt der Weihnachtsmann nen neuen Dämpfeinsatz! Musste mal Bedarf anmelden!

Toni hat gesagt…

Ich liebe die Dinger zu Gulasch. Mit dem Elektromesser schneiden die sich auch super. Meine Oma hat das aber auch immer mit dem Faden gemacht.

Peter hat gesagt…

Was übrig bleibt, wenn überhaupt etwas übrig bleibt, braten wir in wenig Butterschmalz an. Sie passen zu jedem Fleisch. Es reicht aber auch eine leckere Soße dazu.

365 Tage hat gesagt…

witzig - ich hatte auch einen Knödltag heute. Dein Beitrag ist buchreif.

nata hat gesagt…

@Frau Kampi: Meinst Du wirklich, ich soll den Weihnachtsmann mit derart großen Wünschen belästigen? ;o)

@Toni: Ja, zu Gerichten mit viel Sauce passen die Knödel gut. Sie saugen sich wahnsinnig voll :o)

@Peter: Aufbraten hab ich mich nicht getraut, weil dachte, das könnte trocken werden. Vielleicht versuche ich es nächstes Mal.

@365 Tage: Vielen Dank, das ist nett!

Petra aka Cascabel hat gesagt…

Deine Knödel sehen wunderbar locker aus. Ich erinnere mich noch mit Schrecken an das, was uns zu Anfang der Grenzöffnung einmal in Tschechien vorgesetzt wurde: das hatte eher eine betonartige Konsistenz ;-)

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