Sonntag, 25. Juli 2010

Was Hühner lieben und Köchinnen erheitert


"Anis bringt Hühner zum Fliegen." Mit diesen Worten pflegte meine Mutter früher ihr Huhn aus dem Backofen zu servieren. Der Hinweis auf die ultimative Zutat für Geflügel stammte, ebenso wie das Zitat, aus einer Kochzeitschrift, wahrscheinlich "essen und trinken", oder aus einem Kochbuch. Seit dieser Entdeckung kippen wir öfter mal ein Fläschchen Pernod oder Ricard ans Huhn und gelegentlich auch in die Köchin.

Tatsächlich liebt das Hühnerfleisch den leckeren Anisschnaps. Obwohl man meinen könnte, dass die Lakritznoten den feinen Geflügelgeschmack verdrängen, hebt sich beides gegenseitig. Als weitere Komponente passt frischer Knoblauch sehr gut dazu, der sich ebenfalls nicht nicht in den Vordergrund drängt.

Natürlich ist ein ganzes Huhn immer schöner als nur zwei Beinchen, zumal ich auch noch zwei gleiche erwischt hatte. Aber das hier ist sozusagen die kleine Lösung für den kleinen Haushalt, die kaputte Spüle, Pfützen auf dem Küchenboden und nicht benutzbare Spülmaschine. - Alles kein Grund also, auf ein leckeres Essen zu verzichten. Zur Not gibts hinterher noch einen Pastis, dann ist alles wieder schön...

Für zwei Portionen nehmen wir zwei Tomaten, zwei Zwiebeln, zwei Knoblauchzehen. Alles in Würfel schneiden und auf ein Blech oder in eine feuerfeste Form legen. Mit Salz würzen und zwei Hühnerbeine auf das Gemüse betten. Alles mit Salz würzen und in den 180° C heißen Ofen geben. Bei mir dauert es eine Stunde, bis das Fleisch saftig und zart, und die Haut knusprig ist. Da ich gutes, fettes Hühnerfleisch nehme, vertragen die Beinchen diese lange Garzeit sehr gut. Wer kleinere Hähnchenschenkel oder weniger fettes Fleisch verwendet, kann die Garzeit deutlich verkürzen.


Während des Garens wird das Gemüse einmal mit einem kräftigen Schluck Pernod oder Ricard begossen, kurz vor Ende der Garzeit ein weiteres Mal.

Gleichzeitig kann man im Ofen ein paar Kartoffelecken aus schönen neuen Kartoffeln knusprig backen. Dazu die Kartoffeln sauber schrubben, in Spalten schneiden und in Erdnussöl wenden. Erst nach dem Backen mit Meersalz bestreuen.


Dazu passt ein bisschen Zucchini-Couscous mit Petersilie, um den Gemüsesud aufzunehmen. Instant-Couscous nach Packungsvorschrift zubereiten. Zucchini in feine Würfelchen schneiden und in Olivenöl anbraten. Mit Salz, Knoblauch und Thymian würzen und dann mit Couscous und glatter Petersilie mischen.

11 Kommentare:

Kaoskoch hat gesagt…

Sieht lecker aus und wanderte gerade auf die Nachkochliste.

Freundin des guten Geschmacks hat gesagt…

Bei mir dto.
Sehr lecker und macht nicht soviel Arbeit. Macht sich fast von alleine.
Ich gebe zu, ich habe nie mit Pastis gekocht. Aber den Ausspruch mit dem Fliegen kenne ich auch, wahrscheinlich aus der gleichen Zeitschrift.

Arthurs Tochter hat gesagt…

Ich finde, auch die Köchin sollte während des Garens durchaus mit etwas Pastis begossen werden!

Mir gefällt das sehr gut, ich verwende Pastis gerne in der Kombi mit Fenchel und Lakritze, am Huhn solo versuche ich mich häufig mit Sherry. Aber wie so oft, heißt es wohl auch hier: Was die Großmutter noch wusste!

linda hat gesagt…

Das sieht mal wieder verdammt lecker aus. Ich habe ein Kochbuch als Sonderausgabe von essen&trinken "Das große Buch vom Kochen". Tatsächlich ist dort das Rezept vom Huhn mit Knoblauch und Pastis. Ich habe es mir schon oft angeschaut, nachdem Du es jetzt vorgemacht hast, kann ich es ja beruhigt nachkochen.

lamiacucina hat gesagt…

Pastis brauchte ich bislang nur für Fischsaucen. Aber da die Evolutionsgeschichte der Vögel letztlich auf die Fische zurück geht, scheint an der Würzung etwas Wahres zu sein.

kochessenz hat gesagt…

Das sieht richtig gut aus, und wenn noch Pastis übrig bleibt, fliegen nicht nur die Hühner :) Ich probier das aus,mit Hühnerbacken bin ich bisher immer eher erfolglos gewesen...

Anonym hat gesagt…

Der Hausmann in der Küche spült das schmutzige Geschirr der gesamten Woche: „Eins, zwei, Spüle, Spüle, mach mich frei. Drei, vier, Spüle, Spüle bring mir ein Bier.“ Fragt das Kind die Mutter:“ Mami, wann kriegt Papi endlich sein Bier?“ Antwortet die Mutter: „Erst wenn er alle Funktionen der neuen Spüle von www.spuele.com getestet hat!“

365 Tage hat gesagt…

der Reis"keks" ist eine reizende Idee, schön fotografiert.

Marqueee hat gesagt…

Sieht klasse aus und liest sich auch so. Bei mir kommt - genau wie Robert - RICARD bisher nur in Fischiges. Vor allem an Jacobsmuscheln (zusammen mit Safran), oder als kräftiger Schuß in die Bouillabaise.

Aber auf die Gefahr hin kapriziös oder markenhörig zu wirken - bin ich der Einzige, dem nicht egal ist, ob in der Sauce RICARD oder PERNOD drin ist?

nata hat gesagt…

Hmmm, @Marqueee: Da ich seit etwa 25 Jahren immer wieder an Veranstaltungen von diesem Verein teilnehme, fühle ich mich dem Thema Anis irgendwie verpflichtet. Ich werde demnächst mal was dazu schreiben. Meiner Erfahrung nach gibt es eingefleischte Anistrinker, die Pernod und Ricard strikt auseinanderhalten. Ich persönlich gehöre trotz allem nicht dazu, denn ich mag beides gerne. Demnächst mal mehr dazu...

Marqueee hat gesagt…

Oh ja, bitte. Dazu würde ich sehr, sehr gerne mehr lesen. Was den Verein betrifft, so muß man die Franzosen für ihre Angewohnheit zu nahezu jedem Lebensmittel sofort eine dazugehörende Bruderschaft oder einen Orden zu Bewahrung und Pflege des einzig wahren Whatever zu gründen, einfach lieben.

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