Samstag, 13. Februar 2010

Frühstücksglück mit Brötchen

Frische Brötchen zum Frühstück. Am liebsten möchte ich behaupten, das kenne ich gar nicht anders. Als ich ein Kind war, lagen vor unserer Haustür jeden Morgen Brötchen und Zeitung. Richtige Brötchen, handwerklich hergestellt und frisch gebacken. In einer Papiertüte lagen sie da draußen. Beim Frühstück wurden sie aufgeschnitten und herumgereicht. Teilen wir uns eins? Ober- oder Unterhälfte? Wer nimmt ein Brötchen mit zur Schule? Falls nicht jemand wieder die Papiertüte aufgeblasen und zum Platzen gebracht hatte, diente sie meist als Verpackung für mein Pausenbrot.

Schon bald versiegte unsere Brötchenquelle, denn die kleine Bäckerei wurde geschlossen. Damals war niemandem klar, dass dies erst der Anfang einer fatalen Entwicklung war. Ein neuer Bäcker war rasch gefunden. Wieder handelte es sich um einen kleinen Handwerksbetrieb. Der Laden war sogar extrem urig und sensationell klein. Brötchen und Brot schmeckten phantastisch, über den Kuchen schweigen wir. Die Bäckersfrau führte mit Bleistift eine Liste, auf der die Bestellungen für die Hauslieferung notiert wurden. Wenn wir samstags unsere Brötchen bezahlten, kauften wir meist noch einen frischen Blatz fürs Sonntagsfrühstück.

Als Studentin hatte ich das sagenhafte Glück, in Süddeutschland gleich gegenüber einer Bäckerei zu wohnen. Dort pflegte man zwar einen eher seltsamen Umgangston. Wenn man aber seine Ohren auf Durchzug stellte und bei den saftigen Preisen schmerzfrei war, hatte man zumindest ein schönes Frühstück.

Irgendwann zog ich wieder zurück in meine Heimatstadt, wo inzwischen nur noch eine einzige Bäckerei existierte, die nach handwerklicher Tradition arbeitete. Ja, auch hier reden wir von der Vergangenheit. Die Bäckerei Breuer wurde vor einigen Jahren geschlossen, weil der Bäckermeister und seine Familie sich zur Ruhe gesetzt haben. Das war's! Inzwischen gibt es nur noch Back-Shops, Supermarktregale und Läden, die ihre Ware mit Hilfe von Backmischungen herstellen. Etwas anderes ist mir jedenfalls nicht bekannt.

Ich will das nicht verteufeln, aber mir wäre wohler, wenn daneben auch ein paar Kleine überleben könnten. Wenn ich wüsste, dass hier wenigstens ein Bäcker ist, der seinen uralten Sauerteig pflegt und ein schönes rheinisches Schwarzbot herstellt. Wenn hier wenigsten einer wäre, der noch richtige Röggelchen backen kann.

Sollte das Wissen der alten Bäckermeister überleben, dann ist dies ganz sicher einzelnen Idealisten zu verdanken. Unternehmen, die unbeirrt an der Tradition festhalten (wie zum Beispiel Zimmermann in Köln) und auf diese Weise hochwertige Backwaren produzieren. Oder solchen, die mit althergebrachten Verfahren eine ganz neue Tradition begründen (Bastians in Köln und Düsseldorf). Nicht zuletzt hat ein Teil der Kultur durch das Internet überlebt. Fleißige Menschen machen sich unendlich viel Mühe, um Rezepte zu erfassen und Methoden zu beschreiben, zum Beispiel Petras Brotkasten, Bäcker Süpke oder Pöts Sauerteigportal. Ohne solche Wissensschätze im Internet würde mein Tag bestimmt sehr traurig beginnen, weil ich keine frischen Brötchen hätte.

Laut Rezept handelt es sich um Marlas Kaisersemmeln. Ich habe es jedoch aufgegeben, die Form der Brötchen nach dem Schleifen irgendwie zu manipulieren, weil ich es einfach nicht hinkriege. Rund schmecken sie sowieso besser. Das Backmalz lasse ich auch weg.

9 Kommentare:

Claus hat gesagt…

Recht haste, furchtbar dieses Fertig-Mischungszeugs! Bei uns gibts nur noch eine einzige Bäckerei, die´s draufhat. Der Laden ist immer rammelvoll, ich kapier nicht, daß die anderen das nicht merken...

ostwestwind hat gesagt…

Ich kaufe nur noch gaaanz selten Fremdbrot, ich fast alle Brote selbst, bis auf Knäckebrot. Hast du schon einmal die Übernachtbrötchen ausprobiert? Die mache ich fast jedes Wochenende

Ulrike @ Küchenlatein

kochessenz hat gesagt…

Wir haben in Münster das Glück, noch ein paar engagierte Bäcker zu haben, die heben selbst die üblichen Filialgeschäfte ein wenig mit an...

Aber grundsätzlich ist es wirklich traurig. Ich bin beruflich viel unterwegs und bekomme nur ganz selten mal ein vernünftiges Brötchen im Hotel. Und die großen Ketten sind überall gleich schlecht.

Vielleicht sollte man mal ein Brötchen-ebay gründen ;)

kochessenz hat gesagt…

Wir haben in Münster das Glück, noch ein paar engagierte Bäcker zu haben, die heben selbst die üblichen Filialgeschäfte ein wenig mit an...

Aber grundsätzlich ist es wirklich traurig. Ich bin beruflich viel unterwegs und bekomme nur ganz selten mal ein vernünftiges Brötchen im Hotel. Und die großen Ketten sind überall gleich schlecht.

Vielleicht sollte man mal ein Brötchen-ebay gründen ;)

Isi hat gesagt…

Das Problem haben wir hier (in Thüringen) auch. Wenn ich zu Hause bin, dann decke ich mich immer mit gutem fränkischen Brot ein, das dort zum Glück noch vielerorts handwerklich hergestellt wird. Ich bin sehr unzufrieden mit meiner Brot- und Brötchenversorgung, deshalb ist einer meiner Vorsätze für 2010 auch mit dem Backen zu beginnen. Bald geht es los :-)

Anonym hat gesagt…

Leider sehr wahr, was Du schreibst. Ich fürchte den kleinen Metzgereien wird es mit und mit auch so ergehen.
Kennst Du die Bäckerei Mohr, Aachener Straße, in Großkönigsdorf? Dort soll es noch handgefertigte Brötchen und Brot nach alten Rezepten geben. Ich selber war noch nicht dort.
VG,
Claudi

nata hat gesagt…

@Claus: Für solche Bäckereien nehmen viele Leute auch lange Fahrten in Kauf. Mir ist es ebenfalls ein Rätsel...
@Ulrike: Bei Gelegenheit werde ich die Übernachtbrötchen auch mal probieren. Sie sehen sehr gut aus.
@Martin: Dann hoffe ich, dass die Bäckereien in Münster entsprechend gehegt und gepflegt werden. Ihr könnt Euch glücklich schätzen!
@Isi: Dann leg los! Frische Brötchen oder frisches Brot sind durch nichts zu ersetzen. Und das Internet ist voll von tollen Rezepten und Tipps.
@Claudi: Diese Bäckerei werde ich bald mal unter die Lupe nehmen. Ich war noch nie drin. Weiß auch nicht, wieso...?

Die andere Seite hat gesagt…

Liebe nata,

wie recht Du doch hast!!!! Deine Semmeln sehen zum Anbeissen lecker aus und ich weiss den Unterschied von "echten" Broetchen zu den heutigen "Backshop-Broetchen" auf jeden Fall zu schaetzen!! ;0) Wenn man nur nicht immer so faul waere, dann kaeme man oefter in den Genuss! ;0)

Ich wuensche Dir ein tolles Wochenende!!

Liebe Gruesse
Maren

Cherry Blossom hat gesagt…

Hallo Nata

die Semmeln sehen super aus.. schön das Du Dir so viel Mühe gibst - schmeckt einfach beser!! Ab und zu backe ich auch Brötchen selbst... meist verzichte ich aber darauf und verwende mein selbstgebackenes Brot oder das einer Bäckerei meines Vertrauens...

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