Dienstag, 19. Januar 2010

Und ewig schmilzt der Käse


Appetit auf Raclette? - Deswegen muss man sich nicht gleich die Bude mit Besuch vollmachen. Partygrill mit acht Pfännchen und tausend Schüsselchen ist auch nicht nötig. Eine herkömmliche beschichtete Pfanne reicht vollkommen aus.

Bei Raclette und den damit verbundenen Kombinationen bin ich leicht neophob veranlagt. Im Laufe der Jahre hat sich eine Geschmackskombination als optimal herauskristallisiert, die nicht gestört werden darf. Zum Raclettekäse gehören immer Kartoffeln, Zwiebeln und Gurken. Das ist schonmal klar, das ist die Basis, sozusagen Stufe 1.

Während meiner Studentenzeit war ich mit genau einem Paar befreundet, das ein Raclettegerät besaß. Das war damals nicht so wie beim Perfekten Dinner, wo immer alle Studenten einen Kaffeevollautomaten und eine kompressorbetriebene Eismaschine in ihren Hochglanzküchen rumstehen haben. Nein, das war auch nicht kurz nach dem Krieg... Jedenfalls veranstalteten meine Freunde gerne und häufig sehr üppige Raclette-Abende. Dabei kam immer ein besonders kräftiges "Zaziki" = irgendwas mit extem viel Knoblauch auf den Tisch. Wir hatten damals wohl ein echtes Drogenproblem. Wäre Knoblauch illegal gewesen, hätten wir unser Studium im Knast absitzen müssen.

Von der Droge kam ich bis heute nicht los, und so gehört eine kräftig abgeschmeckte Knoblauchcreme noch immer zum einzig wahren Raclette. Das ist Stufe 2. Bei mir besteht sie aus Quark, cremigem Joghurt, Salz, einem Tröpfchen Olivenöl und reichlich geriebenem Knoblauch.

Die letzte unverzichtbare Zutat ist mein spezielles Raclettegewürz, das ich vor Großeinsätzen, wie etwa Silvester, gleich für die ganze Familie herstelle. Man sollte es nur nicht sehr lange aufbewahren, weil gemörserte Gewürze zu Schimmelbefall neigen. (Wer's nicht glaubt, - einfach mal gemörserten Pfeffer ein paar Tage rumstehen lassen!) In einem schweren Granitmörser zerreibe ich Kümmel, schwarzen Pfeffer und Meersalz. Diese Mischung vermenge ich mit Paprika und etwas Knoblauchpulver. Als Mischungsverhältnis schlage ich vor: 2 Teile Kümmel, 2 Teile Paprika, 2 Teile Salz, 1 Teil Pfeffer, 1 Teil Knoblauchpulver. Damit wäre Stufe 3 vollendet.


Pfannenraclette
Pro Person:
1 Portion Kartoffeln kochen
Währenddessen Knoblauchcreme zubereiten (siehe oben)
Kartoffeln abgießen, pellen und in Stücke schneiden. Kartoffeln in eine heiße, beschichtete Pfanne geben. Eventuell etwas Öl hinzufügen. 1 Zwiebel pellen, in Streifen schneiden und zu den Kartoffeln in die Pfanne geben.
Für jeden Esser die gewünschte Menge Raclettekäse in die Pfanne zu den Kartoffeln geben.  Packung sagt 40 g, haha! Bei geringer Hitze langsam braten und ein paarmal wenden.

Die Raclettekartoffeln servieren, sobald sich eine knusprige Kruste gebildet hat. Dazu Gewürzgurken auf den Teller geben und Knoblauchcreme reichen. Alles mit Raclettegewürz bestreuen.

Kleines Zugeständnis an Leute, die immer noch mehr wollen: Dünne Scheiben vom Rinderfilet lehne ich nicht ganz ab. Sie braten ebenso gut auf dem Partygrill wie in der Pfanne auf dem Herd.

6 Kommentare:

Cherry Blossom hat gesagt…

Schöne Idee dieses Gewürz!!

Claus hat gesagt…

jetzt weiß ich auch, was ich in Wirklichkeit gemacht habe, wenn ich meine Bratkartoffeln mit jeder Menge Käse aufpeppe - Pfannenraclette! Da musst du erstmal drauf kommen.
Schöne Gewürzmischung.

lamiacucina hat gesagt…

Das Problem ist der Käse. Woher kriegst Du guten Käse, der den Namen Raclettekäse wirklich verdient ?

nata hat gesagt…

@Cherry Blossom: Danke, kann ich aber auch wirklich empfehlen.
@Claus: Kannst es natürlich auch "Bratkartoffeln mir jede Menge Käse" nennen ;o)
@lamiacucina: Im Moment habe ich noch Bio-Raclettekäse von der Coop. Mir schmeckt dieser Käse besser als alles war ich vorhar an Raclettekäse hatte.

Anonym hat gesagt…

Wieder wunderbar geschrieben und wieder eine tolle Idee von Dir! Ich liebe Raclette, mein Mann absolut nicht, und so komme ich (bisher) nur alle Jubeljahre in den Genuss. Dafür gibt es aber öfter mal Käsefondue, da kann man ja auch nicht meckern. ;o)
Das Gewürz werde ich auf jeden Fall ausprobieren.
VG,
Claudi

nata hat gesagt…

@Claudi: Vielen Dank! - Ich hoffe sehr, Dein Mann kann den Geruch vom Raclettekäse vertragen ;o) Je besser er ist, desto mehr riecht er leider auch...

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