Freitag, 30. Oktober 2009

Meine Suppe isst sie nicht.



Die Oma braucht mehr Power, dachte ich. Also zog ich los und kaufte Rindfleisch, Knochen und jede Menge frisches Grünzeug. Nach stundenlanger Kocherei gab es eine wunderbar kräftige Brühe, winzig kleine Fleischbällchen und Markbällchen, so klein wie Haselnüsse. Einfach herrlich! Doch die Oma war anderer Ansicht, als ich sie anrief. Sie wollte absolut keine Suppe, und von mir schon gar nicht. Wenn die Oma von Rotkäppchen Telefon gehabt hätte, dann wäre vielleicht alles anders gekommen...?

So habe ich nun einen hübschen Vorrat von der kräftigen Brühe im Tiefkühler. Und heute Mittag gab es einen leckeren Sattmacher aus Fleischklösschen, Markbällchen, Nudeln, Blumenkohl, Staudensellerie, Lauch und Brühe. Die Oma wird sich noch ärgern, wenn sie die Suppe im Internet sieht. - Ach nee, sie hat ja gar keinen Computer!

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Pasta #6 - Eifeler Makkaroni



Nein, das Rezept habe ich nicht aus dem Buch "Die 100 besten Pastarezepte der Eifel". Es stammt aus Kreuzau und wurde mir vor einigen Jahren von einer Bekannten meiner Oma erzählt. Hey, kann man ein Rezept erzählen? Aber sicher kann man! Die Geschichte ging so, dass die Kreuzauerin sich an ihre Kindheit in der Rureifel erinnerte. Damals hat sie gerne Makkaroni mit Schwarzbrot gemacht, wenn ihre Eltern ausgegangen waren. Heute liebt sie dieses Essen immer noch. Hä? Was is'n das für'n Essen? - Ja, da werden Makkaroni gekocht und anschließend mit Schwarzbrotkrümeln in der Pfanne gebraten. In Kreuzau soll sich das bewährt haben, also kann man es mal ausprobieren.

Pro Person eine Portion Makkaroni in Salzwasser al dente kochen und abgießen. In einer Pfanne etwa 1 El. Butter zerlassen und eine Scheibe Schwarzbrot hineinkrümeln. Das Brot bei mittlerer Hitze kurze Zeit braten, bis es anfängt zu duften. Mit Salz und Pfeffer würzen. Die Makkaroni in die Pfanne geben und kurz in der Butter wenden. - Fechtisch! - wie man in Kreuzau sagen würde.

Aufmotzen: Gebratene Zwiebelringe dazu servieren. Old Amsterdamer grob raffeln und über die angerichteten Nudeln streuen. Gemischten Salat dazu servieren.
Tipp: Unbedingt richtiges Eifeler Schwarzbrot nehmen, ein helles und mildes Roggenvollkornbrot. Mein Favorit kommt zur Zeit aus dieser Bäckerei in der Nähe von Prüm.

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Wir können alles. Außer Schwäbisch.


Pssst! Lesen hier Schwaben mit? Linsen mit Spätzle ist so 'ne Sache, die ich nur aus  Erzählungen von Exilschwaben kannte. Die wenigen, die mir bisher begegnet sind, kochten mit diesem Essen gegen aufkeimendes Heimweh an. Irgendwann einmal habe ich mir genau beschreiben lassen, worum es sich dabei handelt. Schon allein die Art, wie es erzählt wurde, hörte sich verlockend an. Auf diese Weise wurde das Gericht in mein Standardrepertoire aufgenommen. Ich koche es seit mindestens 15 Jahren. - Allerdings auf meine Weise.

Weil ich ungern an fremden Heiligtümern kratze, würde ich das Gericht gerne anders nennen. Doch Linsen und Spätzle sind einfach Linsen und Spätzle, da kann man nichts machen. Die Schwaben können zwar lecker kochen, aber an schönfärbenden Namen für ihre Gerichte müssen sie noch arbeiten. Höchstens bei den Saitenwürstle, die unbedingt dazugehören, ist es wohl mit ihnen durchgegangen. Es handelt sich um stinknormale Wiener Würstchen.

Originalrezepte aus dem Schwabenland findet man leicht, zum Beispiel bei Wikipedia. Eine amerikanische Interpretation gibt es bei La Fuji Mama. Das mit dem Schwäbisch und dem Hochdeutsch soll die Sympathiekampagne erklären.

Hier nun meine Version. Hoffentlich werde ich dafür nicht ans Spätzlebrett genagelt.

Spätzle vorbereiten:

Pro Person
150 g Instantmehl (doppelgriffiges oder Spätzlemehl)
1 Ei
1 Prise Salz
ca. ½ Tasse Wasser miteinander verrühren. Dabei ist es wichtig, das Wasser nur nach und nach zuzugeben, bis ein dickflüssiger Teig entstanden ist.

Dem Teig bekommt es ganz gut, wenn er ein paar Minuten quellen kann.
Richtige Schwaben oder Leute, die etwas geschickter sind als ich, schaben den Teig natürlich vom Brett. Ich habe es etwa 1.000 x versucht und danach aufgegeben. Ich kann es einfach nicht. Bei mit gibt es dicke Geschwister der Spätzle, die meinetwegen Knöpfle, Knöpfchen oder so heißen sollen. Den Teig streiche ich mit einer Teigkarte durch ein Instrument aus Edelstahl, das wie ein sehr großer Teller mit Löchern aussieht. Der Edelstahlteller liegt dabei auf einem Topf mit siedendem Salzwasser, damit der Teig in das Wasser tropfen kann. Mit dem Durchstreichen muss man sich ein bisschen beeilen, weil der Teig sonst die Löcher verklebt. Es geht einfacher, wenn das Wasser nicht sprudelnd kocht.

Die Knöpfle werden in dem siedenden Wasser gleich fest, schwimmen nach oben und können mit einem Schaumlöffel rausgeschöpft werden. Danach lässt man sie kurz in kaltes Wasser gleiten und abtropfen.

Linsen kochen:

1 Portion Linsen (nicht eingeweicht) abspülen und in kochendes Wasser schütten. Das Wasser sollte so bemessen sein, dass die Linsen knapp bedeckt sind. Ein Lorbeerblatt hinzufügen und die Linsen sanft köcheln lassen.
Gemüse sehr fein würfeln:
1 kl. Kartoffel
1 kl. Möhre
1 kl. Zwiebel
1 Knoblauchzehe
1 kl. Stück Sellerie
ca. 10 cm Lauch in sehr kleine Würfel schneiden, etwa in Größe der Linsen. Nachdem die Linsen 10 Minuten gekocht haben, die Gemüsewürfelchen hinzufügen und so lange kochen, bis Linsen und Gemüse weich sind. Zum Schluß mit gekörnter Brühe, Pfeffer und Balsamico abschmecken.

Vor dem Servieren müssen die Spätzle kurz erhitzt werden. Entweder für einige Sekunden in heißes Wasser tauchen oder kurz in zerlassener Butter mit etwas Salz und Muskat schwenken. Mit Saitenwürstle servieren.


Dienstag, 27. Oktober 2009

Herzlich lecker



Ist es einmal entzwei, dann ist alles vorbei. Da hat der alte Udo vollkommen Recht. Das ist mit Herzen nicht anders als mit Eiern. Man hat genau einen Versuch, das Ding in die passende Form zu kriegen. Daher war ich sehr erleichtert, dass dieses herzige Spiegelei heute Mittag auf Anhieb gelungen ist. Meine Versuche sehen für gewöhnlich eher nach Leber oder Milz aus. Dann schmecken sie zwar tadellos, taugen aber nicht für's Foto.

Seit Anikó mit ihrem Gegenentwurf Rote Bete ins Gespräch brachte, steht hier eine große Schüssel mit Rote Betesalat. Ungünstigerweise esse ich nun schon seit drei Tagen davon, ohne die passende Beilage auf dem Teller zu haben. Die einzig wahre Liebe der Roten Bete ist nämlich die Kartoffel. Aus diesem Grund war sie heute einfach fällig. Belana, roh grob geraspelt und in Erdnussöl langsam gebraten, zum Schluss mit einer kleinen Zwiebel verfeinert und mit Salz abgeschmeckt. Dazu etwas Eichblattsalat, kleine Tomaten, Spiegelei, - und schon geht einem das Herz auf. Und geht's mal entzwei, ist es längst nicht vorbei... Ich weiß wie das geht, es ist niemals zu spät!

Montag, 26. Oktober 2009

Lammfleisch mit Charakter

Wenn keine Zeit zum Kochen ist, dann gibt es kaum etwas Schöneres als ein fertiges Essen im Vorrat. Am Samstag hatte ich Lammfleisch geschmort. Eigentlich wäre mir Schulter lieber gewesen, aber es gab auf dem Wochenmarkt keine. Ich frage mich immer, wo die Teile nur bleiben, die man nicht bekommt... So nahm ich Haxen, wie schon öfter. Das Fleisch kommt aus der Region, genauer gesagt aus der Voreifel, und hat einen ganz charakteristischen Geschmack, den viele Leute wohl nicht mögen. Ich hingegen mag es gerne, wenn es "nach Lamm" schmeckt. Meiner Ansicht nach ist das allgegenwärtige Lammfleisch aus Neuseeland weniger intensiv und weniger interssant.
Die Haxen kamen mit Schmorgemüse, Knoblauch und Tomaten für anderthalb Stunden in den Ofen, danach eine weitere halbe Stunde ohne Deckel. Den Sud habe ich zum Schluss kräftig mit Kreuzkümmel abgeschmeckt und nicht gebunden. Dazu gab's Reis.


Lammhaxe eignet sich prima zum Schmoren, weil sie saftig bleibt und eine gute Sauce abgibt.


 
Machte schon bei der Zubereitung kaum Arbeit und musste heute nur noch aufgewärmt werden: Lammhaxen mit Reis.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Betthupferl


Was Süßes für's Kopfkissen. Ich wünsche allen Lesern einen gemütlichen Sonntagabend und eine geruhsame Nacht! Obwohl es eigentlich in jeder Hinsicht Quatsch ist, im Internet irgendwas von Tageszeiten abhängig zu machen. Na egal, Hauptsache süße Träume. Bei der kleinen Köstlichkeit handelt es sich um eines von Ulrikes Schmuckstücken, wieder mit der unverschämt delikaten Füllung aus Mohn und Mandeln, nur in anderer Form, von wegen Mouthfeeling und so. Auch wenn der Orangenschnitz als Geschmacksbeschleuniger fehlt, schmeckt das Kügelchen phantastisch. - Also... schmeckte!

Sonntags mit der Familie

Gelegentlich speist die ganze Familie am Sonntag auswärts. Zu solchen Gelegenheiten suchen wir bevorzugt Gaststätten heim, die von allen anderen Essern aus dem selben Grund ausgewählt werden: Hier gibt’s einfach Spaß für die ganze Mannschaft. Deshalb sitzen an jedem Tisch mindestens drei bis vier gut gelaunte Generationen. 

Der Papa wird satt, die Oma findet sich ohne Brille und Hörgerät zurecht und das Essen passt einfach immer. Eine kleine Auswahl, von Rinderkraftbrühe über Schnitzel bis Zander, mehr braucht man nicht. Da solche Lokale in unserer Region selten sind, mache ich ungern Reklame dafür. Aber ehrlich gesagt, stellt das Wettsteins schon eine ziemliche Rarität dar. In Merode wird noch frisch gekocht, der Service ist superfreundlich und ich freue mich immer schon im Voraus auf den köstlichen Haussekt, den die Familie der Wirtin herstellt.


Hirschsteaks esse ich wahnsinnig gerne. Sowohl der Rotkohl als auch die Preiselbeeren schmeckten wie frisch gekocht und sehr lecker. Die Kroketten waren wieder zu schnell für's Bild.

Freitag, 23. Oktober 2009

Mein Privat-Pralinchen



Kaum zu glauben, wie viel Aroma in ein derart kleines Pralinchen hineinpasst. Wir sehen eine Mischung aus gemahlenem Mohn, der mit gerösteten Mohnkörnchen gemischt und mit ganz besonderem Marzipan verbunden wurde. Eine hauchdünne Schicht von delikater weißer Schokolade umhüllt die Mohnfüllung und wird von einem Schnitz kandierter Orange gekrönt. Alle Aromen in diesem Schmuckstück befeuern sich gegenseitig und explodieren geradezu im Mund.

Das Beste an diesem Wunderwerk der Pralinenkunst ist, dass dieses Stück speziell für mich komponiert und hergestellt wurde. Ich bin richtig stolz! Es handelt sich um das Werk meiner Freundin Ulrike, die das süße Handwerk meisterlich beherrscht. Sie versteht sich auf den Umgang mit Schokolade, Nüssen und Nugat. Sie kennt Hersteller, bei denen man die unglaublichsten Zutaten kaufen kann, und sie weiß genau, wie man damit umgeht.

Als Ulrike und ich uns kennen lernten, muss ich ihr einen tierischen Schreck eingejagt haben, als ich erklärte, eigentlich gar keine Pralinen zu mögen.

Damit war wohl der Ehrgeiz der Künstlerin geweckt. Fortan merkte sich die Pralinenkönigin alles, was ich in dieser Richtung von mir gab. Ich bekam Marzipan zu probieren, das weit jenseits meiner Vorstellungskraft war. Es schmeckte einfach pur und weich, nach Mandeln, aber nicht penetrant und zuckerig.

Einmal gab Ulrike mir Schokolade zu probieren, die bei 80% Kakaoanteil kein bisschen staubig oder trocken schmeckte. Das war eine Qualität, wie sie mir wirklich noch nie begegnet ist. Während mir so langsam klar wurde, dass aus derartigen Zutaten nur etwas Gutes werden kann, machte sich die Tüftlerin ans Werk. Nicht zu groß sollten die Pralinen werden, denn ich hege eine Abneigung gegen Riesenpralinen.

Nun erreichte mich gestern ein Schatzkästlein mit Ulrikes neuesten Werken. Lauter Spezialanfertigungen, die alle meinem Geschmack entsprechen. Darunter befindet sich auch mein Privat-Pralinchen, das so verblüffend genau meinen Geschmack trifft, dass ich nie wieder eine andere Praline essen möchte. - Also gut, bis vielleicht auf die anderen Pralinen von Ulrike. Die sollen sich vor mir in Acht nehmen, denn ich kann sie leider nicht verschonen, sorry!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Im Stil des Turbo-Steinbocks

Extrem Traditionsversessene, hartgesottene Bündner und fanatische Steinbockromantiker bitte schonmal im Voraus abkühlen! Hier kommt die turboschnelle Ratzfatzversion eines Klassikers aus den Schweizer Bergen.

Kürzlich präsentierte Lamiacucina eine schöne Version der Mangold-Krautwickel, die in Graubünden Capuns genannt werden. Es existieren für dieses Bündner Nationalgericht so viele Rezepte wie Köche, sagt man. Der Aufbau besteht im Prinzip meist darin, dass Spätzleteig mit Trockenfleisch und Kräutern vermengt und in Blätter von Schnittmangold eingewickelt wird. Dabei handelt es sich um eine Pflanze, die auch in den höheren Lagen noch gut wächst und die daher in den Gärten der Bündner weit verbreitet ist. Im Aussehen ähnelt sie eher dem Spinat als dem, in Deutschland häufiger anzutreffenden, Stielmangold. Da sich die grünen Blätter auch im Geschmack nicht sehr unterscheiden, nachdem sie mit Fleisch, Gewürzen und Bergkäse im Ofen waren, kann man getrost auf Blattspinat zurückgreifen.

Den typischen Geschmack von Capuns machen die hochwertigen Fleischwaren aus. Luftgetrockneter Speck, Salziz, Landjäger und Schinken aus Graubünden. Bündner Fleisch verwende ich für Capuns nie. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, bringe ich einige von diesen Köstlichkeiten aus dem Urlaub mit oder lasse sie mitbringen. Zum Glück wurden diese Dinge erfunden, um lange haltbar zu sein.

Wie weit die Bandbreite der echten Capuns tatsächlich ist, lässt sich einem sehr schönen Buch von Evelyn E. Lengler und Charly Bieler entnehmen. Sie haben alles Wissenswerte zu diesem Thema zusammengetragen und dazu auch viele echte Bünder herangezogen, die ihre Rezepte beigesteuert haben. Da können Capuns auch schonmal mit Fisch gefüllt oder vom Orient angehaucht werden. Hier gehts zur Neuauflage.

Schnelle Capuns, die nicht gewickelt werden, sind übrigens nicht meine Erfindung. In manchen Gaststätten erfreuen sie sich großer Beliebtheit!


 
 

Capuns al Cascame / Schrottcapuns

Einen Spätzleteig bereiten aus 150 g Instantmehl (doppelgriffiges oder Spätzlemehl), 1 Ei 1 Prise Salz, ca. ½ Tasse Wasser. Dabei ist es wichtig, das Wasser nur nach und nach zuzugeben, bis ein dickflüssiger Teig entstanden ist.

Ein Stück Salsiz (etwa eine halbe von der normalen Größe oder ein Drittel von einer größeren Wurst) in sehr kleine Würfelchen schneiden und unter den Spätzleteig mengen. Alles ein bisschen stehen lassen, damit das Mehl quellen kann.

In einem großen Topf etwa 1 Liter kräftige Fleisch- oder Gemüsebrühe zum Kochen bringen. Dann die Hitze etwas zurückschalten. Mit Hilfe von zwei Löffeln kleine Nocken abstechen und in die heiße Flüssigkeit gleiten lassen. Da der Teig nicht sehr kompakt ist, werden die kleinen Batzen vermutlich eher unförmig werden, was aber nicht weiter schlimm ist.

Mit einer Schaumkelle löst man die Klösschen zuerst vom Boden, wo sie sich abgesetzt haben. Danach wartet man einen kurzen Moment, bis sie an der Oberfläche schwimmen, nimmt sie heraus und lässt sie in eine Schüssel mit kaltem Wasser gleiten. Von dort wandern sie weiter, in einen Teller, zum Aufbewahren.

Wenn alle Klösschen fertig sind, gibt man sie in eine flache Auflaufform (Gratinierteller), zusammen mit tiefgefrorenen Pellets vom Blattspinat. Das Mengenverhältnis sollte etwa 1:1 betragen. Das ganze übertreut man mit gehacktem Knoblauch und würzt mit Pfeffer, Salt und Muskat. Aufgießen mit einer Mischung aus Brühe (vom Abkochen der Klößchen) und Sahne. Bedecken mit Bergkäse.

25 min. bei 200° C Ober-/Unterhitze in den Ofen

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Internationale Kinderveralberung


Früher wurden Kinder einfach viel mehr veralbert. Anders kann ich mir die Sache mit meinem ersten Kochbuch nicht erklären. Meine ganz persönliche Schmach bestand schon darin, dass ich gar nicht kochen durfte, als ich ein Kind war. Meine Mutter konnte ich allein mit der Frage, ob ich etwas in der Küche machen dürfte, schon zum Ausrasten bringen. Dann schenkte mir irgendwer dieses Kochbuch. Als Kind habe ich mir sehr oft die Bilder angesehen und in den Rezepten gelesen. Das Buch gab mir Rätsel auf. Ich habe es einfach nicht verstanden.

„Spaß am Kochen und Backen“ von Ursula Sedgwick ist ganz offensichtlich ein Buch, das aus dem Englischen übertragen wurde, um Kinder fertig zu machen. Meine Ausgabe trägt einen Copyrightvermerk von 1977 für die deutsche Fassung und ist im Tessloff Verlag, Hamburg, erschienen. Man muss sich in diese Zeit zurückversetzen, um zu verstehen, was damals so verwirrend war.

Wer kam bitteschön auf die Idee, in den Siebzigern englische Kochbücher zu übersetzen? Da konnte Jamie Oliver nichtmal einen Kochlöffel halten!  Ein Foto zeigt Muffins in Papierförmchen und das dazu gehörende Muffinsblech. Sowas hatte ich als Kind noch nie gesehen. Konnte man sowas 1977 in Deutschland kaufen? Wie sollte ich also darauf kommen, dass mit dem Rezept für „Rosinenbrötchen (England)“ dieses Bild gemeint war? Nach den Angaben ist es möglich, aus „1 – 2 Teel. Teig“ in jeder „Backform oder  Papierschale“ ein ganzes „Rosinenbrötchen“ zu bekommen. Das Backpulver muss man wohl im Supermarkt von Harry Potter kaufen.

Die vorhergehende Seite zeigt „Marmorkuchen (Österreich)“. Das Land wird zusätzlich durch ein gezeichnetes Männlein mit einem Alphorn dargestellt. Der Kuchen besteht aus drei Farben: helle Kuchenfarbe, Schokoladenbraun und Rosa. Damals habe ich in jedem Supermarkt nach roter Speisefarbe gesucht. Als ich mit 13 Jahren zum ersten Mal nach England fuhr, gehörte flüssige rote Speisefarbe zu den ersten Sachen, die ich von dort mitnahm.

Aus 90 g Butter, 90 g Puderzucker und 1 Tl. Pulverkaffee mit 2 El. heißem Wasser wird auf wundersame Weise „Schokoladenglasur“, die auch in dieser Menge ausreicht, um einen ganzen „Amerikanischen Teufelskuchen“ üppig und wolkenartig zu überziehen. Das Bild liefert den Beweis.

Beim Thema Sandwiches, also „Belegte Brote“ schwingt sich der Übersetzer zu ungeahnter Kreativität auf: "Dreidecker (USA)" und "Gefülltes Brötchen (England)" heißen die Stullen, die hierzulande damals noch vollkommen exotisch waren. Sehr schön ist auch „Zuppa Pavese (Brühe mit verlorenem Ei aus Italien)“. Wurde das Ei in Italien verloren? 

Wenn ich mir die Rezepte heute so ansehe, kann ich gut verstehen, dass meine Mutter mich nicht mit dem „Käse-Soufflé (Frankreich)“ von Seite 37 in die Küche lassen wollte.




Dienstag, 20. Oktober 2009

Mein liebstes Mamarezept: Paprikagemüse mit Reis in der einzig wahren Version

Die Oktoberaufgabe der Hüttenhilfe hat mich echt zum Grübeln gebracht. Mamarezept? - Ich weiß gar nicht, ob meine Mutter nach Rezept kocht. Welches Gericht wurde zu Hause überhaupt immer gleich zubereitet? So lange ich denken kann, sammeln meine Eltern Kochbücher. Da wurde viel gelesen, ausprobiert und herumexperimentiert.

Nach langem Nachdenken fiel mir ein Gericht ein, das mich vor lauter Vorfreude ganz nervös werden ließ. Wenn ich aus der Schule kam und es roch nach Paprika, Hackfleisch und Zwiebeln, dann wurde wenigstens der Nachmittag schön. Meine Mutter nannte es Paprikareis oder Paprikagemüse mit Reis. Die Urversion stammt vermutlich aus der Rezeptsammlung "MENÜ". In späteren Jahren hat meine Mutter es leider auch abgewandelt, aber ich koche es heute noch so, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung habe, - als einziges Gericht überhaupt.

Für 4 Personen:
  • 4 Portionen Parboiled Reis mit Salzwasser aufsetzen. Das Wasser soll kurz aufkochen und danach verdampfen.
  • 1 dicke oder zwei mittelgroße Zwiebeln schälen und würfeln.
  • mindestens 4 Knoblauchzehen schälen und würfeln.
  • 1 große oder 2 kleine grüne Paprikaschoten waschen und in mundgerechte Stücke schneiden.
  • 2 oder 3 rote Paprika waschen und in Stücke schneiden.
  • ca. 400 g Rinderhack mit wenig Olivenöl anbraten. Das Fleisch braucht nicht braun zu werden, da es bei diesem Gericht nicht auf Röstaromen ankommt.
  • Zwiebeln hinzufügen und mit dem Hackfleisch schmoren.
  • Mit Pfeffer, Chili, Salz und Thymian ganz leicht würzen.
  • Grüne Paprika hinzufügen.
  • Rote Paprika und Knoblauch dazugeben.
  • 1 Dose gehackte Tomaten, 1/2 l Brühe und etwas Tomatenmark in den Topf geben und alles zusammen ein paar Minuten kochen lassen.
  • Zum Schluss mit ca. 4 El. Tomatenketchup und etwas Salz abschmecken.
  • Paprikagemüse mit dem Reis zusammen servieren.
Wenn ich dieses Gericht heute neu erfinden sollte, dann würde ich es sicherlich ganz anders machen. Aber als nette Kindheitserinnerung taugt es nur so und nicht anders. Es sollte unbedingt wenig Fett und Gewürze enthalten und es muss auf jeden Fall mit Tomatenketchup abgeschmeckt werden.

 

Sonntag, 18. Oktober 2009

Probleme bei der Aussprache? - Ab in den Mixer!

Heute üben wir mal das [th] = Ti-Äitsch: Smoothie! Mein dickes Wörterbuch aus Schulzeiten kennt den Begriff gar nicht. Man könnte meinen, das müsste am Alter liegen, denn die cremigen Fruchtgetränke begegnen einem erst in den letzten Jahren überall.

Als ich dieses Dictionary benutzte, hatte ich ganz sicher noch nie von einem Smoothie gehört. Ich weiß nur, dass ich damals Smooth Operator nachgeschlagen habe. - Ja, tschuldigung, ich war noch ein Kind, als ich zur Schule ging! Nun erzählt mir aber Wikipedia, dass Cream Smoothie schon seit 1969 in den USA ein geschützter Begriff für Softdrinks ist. Manchmal muss man sich echt wundern, wie lange es noch dauert, bis etwas über den Atlantik kommt.

Ich lernte diese leckeren Vitaminbomben vor ein paar Jahren in einem Ferienclub kennen, lange bevor alle Kühlregale mit den kleinen Plastikflaschen überschwemmt waren. Die Idee gefiel mir gut. Daher habe ich es beibehalten, frisches oder gefrorenes Obst mit Saft oder Milch in den Mixer zu werfen und zu einem cremigen Fruchtcocktail zu quirlen.

Wer jetzt laut mitgelesen hat, dürfte wohl mit dem stimmhaften dentalen Frikativ = [ð] vorerst keine Probleme mehr haben. Ein Vorteil des Getränks ist, dass es sich leichter zubereiten und trinken als aussprechen lässt. S M O O T H I E ! ! !





Samstag, 17. Oktober 2009

Unmusikalische Morgenmahlzeit



Wenn ich ein Musiker wäre, dann würde ich Lieder über das Frühstück schreiben. Ich liebe Frühstück! Es ist die beste Mahlzeit des Tages und der wunderbarste Grund, um morgens aufzustehen.

Obwohl ich nicht sehr musikalisch bin, vermute ich, dass Brötchen mit Leberwurst und Schwarzbrot für eine Melodie wenig hergibt. Trotzdem gehört diese Zusammenstellung am Wochenende zu meinen Hits, schon seit Kindertagen. Vom Markt habe ich frische Wurst mitgebracht und die Brötchen habe ich selber gebacken.

Aber ich will nicht ungerecht sein. Müesli mit Obst, Cornflakes mit Milch, gebratene Eier mit Speck, Toast mit Butter, Lachshäppchen und Champagner... Alles hat seine Saison und ich werde mich an einem anderen Morgen damit beschäftigen. Um die Musik sollen sich andere kümmern. Abgesehen von Breakfast in Amerika fällt mir kein einziger Titel zum Thema ein. Liegt wohl daran, dass Künstler nicht vor dem Mittagessen aufstehen.


Freitag, 16. Oktober 2009

Pasta #5


Mehr braucht man nicht, könnte man meinen. - Stimmt aber so auch nicht, denn auf diesem Teller fehlt ganz dringend Käse! Weil Spaghetti mit dick eingekochter Tomaten-Zwiebelsoße so nackelig einfach fotogener sind, wurde der geriebene Gruyere erst nach dem Foto darüber gestreut.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Suppenausverkauf

Alles muss raus. Die Möhren sollen weg, so lange sie noch knackig sind. Das kleine Stück Speck fürchtet sich, so ganz alleine im Kühlschrank. Ein Schlückchen Sahne und ein paar Kartoffeln wären ebenfalls bereit fürs große Abenteuer. Wie gut, dass im Tiefkühler immer ein paar Selleriewürfel und Lauchschnipsel zu finden sind. Die werden aus dem Kälteschlaf erweckt. Tut mir leid Jungs, wir haben doch kein Heilmittel gefunden.

Kartoffel- Gemüsecremesuppe
  • Zwiebel schälen und würfeln, Möhren schälen, beides zusammen in Olivenöl anschwitzen. Richtig viel Knoblauch schälen und würfeln. Etwas schwarzen Pfeffer und Kümmel im Mörser zerstoßen. Knoblauch und Gewürze in den Topf geben und kurz unterrühren. Brühe aufgießen, Gemüse aus dem Tiefkühler (Sellerie, Lauch) hinzufügen und bei sanfter Hitze kochen lassen. Sobald die Möhren gar sind, alles mit dem Zauberstab pürieren. Kartoffeln schälen, kleinschneiden und in die Suppe geben. Lorbeerblätter hinzufügen.
  • Sobald die Kartoffeln gar sind, mit dem Stampfer durch die Suppe gehen und alle Kartoffelstücke fein zerdrücken.
  • Sahne in die Suppe gießen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.
  • Fein geschnittenen Speck hinzufügen und die Suppe bei ganz schwacher Hitze noch ein paar Minuten simmern lassen.
  • Servieren mit Sauerrahm und Knoblauchcroutons.


Gefrorenes Gemüse ist enorm praktisch. Spätestens alle 14 Tage friere ich Sellerie, Lauch und machmal auch Möhren ein, um bei Bedarf immer mal eine kleine Menge aus dem Kälteschlaf zu wecken. Nach spätestens zwei Wochen sollten die Vorräte verbraucht sein, denn altes TK-Gemüse schmeckt mir nicht.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Apfelhimmel trifft auf Kartoffelerde

Wenn Äpfel und Kartoffeln auf dem Teller zusammenkommen, dann nennt man es Himmel und Erde. Nur in Köln und Umgebung sagen wir Himmel un Ääd und tun dann so, als würde das kein Mensch außer uns kennen. Liebe Rheinländer, als eine von Euch, muss ich es mal sagen: Auch woanders hängt der Himmel voller Äpfel!

Das Gericht kommt in allen kölschen Brauhäusern und vielen Gaststätten auf den Tisch, denn es schmeckt wirklich lecker. Meist handelt es sich um Kartoffelpüree und Apfelmus, unter einem Berg frittierter Zwiebeln begraben und in Begleitung einiger Stücke gebratener Blutwurst.

Da weder Himmel noch Erde jeden Tag gleich aussehen, dürften von Himmel un Ääd auch Variationen erlaubt sein, denke ich.

Heute sieht Himmel un Ääd in meiner Küche mal so aus: Kartoffelpüree oder Stampfkartoffeln nach Belieben und Geschmack herstellen. In einer Pfanne Speck anbraten. Danach eine gewürfelte Zwiebel in die Pfanne geben. Einen kleinen Apfel (z.B. Elstar) in Würfel schneiden und ebenfalls in die Pfanne geben. Alles zusammen schön braun braten. Zum Schluss noch ein bisschen Butter und eine gehackte Knoblauchzehe hinzufügen. Kräftig mit schwarzem Pfeffer und ganz leicht mit Salz würzen. Die Mischung aus der Pfanne auf dem Kartoffelpüree verteilen.

Dazu passt nicht nur gebratene Wurst, sondern auch ganz wunderbar ein Endiviensalat, falls man zufällig Reste vom Vortag hat.

Dienstag, 13. Oktober 2009

Viele Wege führen ins Rheinland

Das klassische Rezept für Endiviensalat heißt im Rheinland Schlot ungerenander*. Als kleine Rheinländerin kannte ich es nur mit gekochten Kartoffeln, die gestampft und unter den Salat gemengt wurden. Später durfte ich schon Bier trinken und ins Küppers Brauhaus gehen. So lernte ich in Bayenthal die wunderbare Variante mit den Bratkartoffeln im Salat kennen, meist liebevoll mit einer gegrillten Schweinshaxe dekoriert. Es folgte die Erkenntnis, dass alles, was im Wesentlichen aus Endiviensalat und Kartoffeln besteht, nach Heimat schmeckt.

Rheinischer Endiviensalat, heute mal so: Kartoffeln schälen (etwa 2 kl. / Person), in dünne Scheiben schneiden und in neutralem Öl bei mittlerer Hitze braten.
Unterdessen die Endivie waschen, schleudern und schneiden.
Speck in Würfel schneiden. Eine Knoblauchzehe schälen und fein schneiden.
Eine rote Zwiebel schälen und in Würfel schneiden.
Die Kartoffeln aus der Pfanne nehmen, sobald sie innen weich und außen gebräunt sind. Auf einen Teller mit Küchenpapier legen und Salz darüber streuen.
Speck in der Pfanne auslassen.
Eine Salatsauce zubereiten aus Weinessig, scharfem Senf, Öl, Zucker, Salz.
Sobald der Speck rundum angebraten ist, den gehackten Knoblauch in die Pfanne geben und einige Sekunden mitbraten lassen. Dann Speck + Knoblauch kurz in einem Sieb abtropfen lassen und in die Salatsauce geben.
Endiviensalat in einer großen Schüssel mit Speck, Salatsauce und Kartoffeln mischen. Zwiebelwürfel darüber streuen.

Statt einer Haxe habe ich heute ein Stück Zucchiniquiche aus meinen TK-Vorräten und ein paar Tomaten dazu gegessen. Wenn man mehr Speck und Kartoffeln als Salat nimmt, dann braucht das Gericht keine Beilagen.

Vegetarische Variante: Statt Speck einfach Knoblauchcroutons nehmen. Schmeckt ebenfalls sehr gut.

*Übersetzungshilfe: Schlot ungerenander = Salat untereinander. Im Rheinland wird traditionell gerne ungerenander gegessen. Es bedeutet, dass eine Grundzutat mit Kartoffeln gemischt wird. Geht auch mit Wiesse Kappes = Weißkohl, Schavu=Wirsing, Murre = Möhren oder anderem Gemüse.

Sonntag, 11. Oktober 2009

Was duftet so fein im ganzen Haus?

Das kann nur mein Apfelkuchen sein. Lecker, so ein Sonntagnachmittag!

Das Original heißt Ostholsteiner Apfelkuchen und stammt aus einem Kochforum. Vanillinzucker und Saucenpulver lassen sich gut durch echte Vanille und Speisestärke ersetzen, dann wird's noch feiner.

Diese Stücke schlafen jetzt im Tiefkühler. Man muss ja an schlechte Zeiten denken.

Pasta #4

Spaghetti, Hackfleischsoße, Gruyère, Frühlingszwiebel.

Samstag, 10. Oktober 2009

Nachschlag mit Knusper

Eigentlich sollte das ein Nachschlag zur Kürbissuppe werden. Als ich die erste Ladung der Kürbiskernölcroutons gestern abend herstellte, um die aufgewärmte Suppe damit zu adeln, war die Batterie der Kamera leer. Natürlich hätte ich auch ein paar Croutons übrig behalten können, um sie heute zu fotografieren, aber seien wir mal ehrlich. Wer hätte das schon geschafft?

Pro Person eine Scheibe Volkorntoast entrinden und in 8x8 Würfel schneiden. In einer beschichteten Pfanne mit ganz wenig neutralem Öl und etwas Salz anbraten, bei mittlerer Hitze, bis die Coutons braun und knusprig sind. Dabei sollte schon jedes Brotstückchen etwas Fett abbekommen, damit es wirklich gebraten und nicht nur trocken geröstet wird. Die Croutons in einem tiefen Teller abkühlen lassen. Sobald sie nicht mehr heiß, sondern nur noch lauwarm sind, einen Teelöffel Kürbiskernöl darüber träufeln und die Croutons ein paarmal im Teller schwenken, damit sich das Öl gleichmäßig verteilt. - Mehr Kürbiskernöl schadet sicherlich nicht dem Geschmack, jedoch besteht die Gefahr, dass die Croutons dadurch weich werden. Als Topping für eine einfache Kürbissupe kann ich diese Croutons sehr empfehlen.


Weil der inzwischen allerletzte Rest der Kürbissuppe im Tiefkühler schläft, brauchten die Fotocroutons von heute ein neues Betätigungsfeld. Da fiel mir eine hübsche Idee vom Herrn Lafer wieder ein, der mal Tatar mit Croutons (damals in Begleitung von Feldsalat) in Kerners Kochsendung präsentiert hatte. So endeten meine Croutons nach ihrer Fotokarriere also als Appetithäppchen der Extraklasse.

Ein kleiner Tatarmops mit roter Zwiebel, Pfeffer und Meersalz. Auch nicht schlecht, wenn mal gerade keine Croutons zur Hand sind.

Freitag, 9. Oktober 2009

Das Fleisch der Erde


Wer könnte den unnachahmlichen Nick Nicholson vergessen, wie er den Kürbis als "das Fleisch der Erde" bezeichnet? Kultur steht in diesen Tagen hoch im Kurs. Alle reden vom Nobelpreis und plötzlich sind wir wieder Dichter und Denker. - Der rechte Zeitpunkt also, um auch einmal ein Zitat einfließen zu lassen!

Zu diesem Zweck habe ich sogar den ganzen Doc Hollywood noch einmal angesehen. Die erneute Rezeption brachte Klärung in meine irrende Erinnerung: Es handelt sich keineswegs um Butternut Kürbis, der in Grady angebaut wird. Bei der Kürbisparade kann man deutlich sehen, dass es sich um eine andere Sorte handeln muss.


Als Fleischersatz taugt der Butternut für mich dennoch. Heute mittag gab es ein schnelles Süppchen, das ohne Fleisch vollständig befriedigt hat. Der Butternut hatte zwei Tage auf meiner Fensterbank verbracht, ohne mich wirklich anzumachen. Erst die fabelhaften Fotos und die schamlose Schwärmerei im Kleinen Kuriositätenladen, machten Appetit auf diesen Kameraden.

Die Suppe besteht ganz einfach aus Kürbisfleisch, roten Zwiebeln (die fraglos die Farbe der Suppe verdorben haben) und Knoblauch, - alles in Olivenöl angeschwitzt und mit Brühe aufgegossen. Damit die Suppe schön cremig wird, alles ein paar Minuten kochen lassen und dann mit dem Pürierstab durchmixen.

Aufgetischt wurde die Suppe mit Kürbischips - WA-HAU!, cremigem Joghurt (spitzenmäßiger Tipp zur Kürbissuppe von Vincent Klink!) und Kürbiskernöl. - Extrem einfach, aber lecker!

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Ruckizucki Drumsticks und Kartoffeln

Macht sich quasi von selbst: Kartoffeln, Zwiebel, Knoblauch in Stücke schneiden und auf ein Blech legen und etwas Öl darüber gießen. Hähnchenunterschenkel in Öl, Paprika und Salz wenden und auf Zwiebeln und Kartoffeln betten. Den Ofen auf 180° C schalten, das Blech in den kalten Ofen schieben und eine Stunde vergessen. Vor dem Servieren sollten die Kartoffeln gesalzen werden. Dazu passt zum Beispiel Blumenkohl in Parmesansauce.


Doch, ich habe dieses Gemüse persönlich gegessen. Auf besonderen Leserwunsch präsentiere ich also den fabelhaften Blumenkohl in Parmesansoße. Lecker!

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Die Männertheke

Jetzt nenn ich mal keine Namen. Wer den Westen von Köln kennt, weiß sowieso, um was es hier geht. Jeder andere stelle sich bitte vor, dass hier irgendwann der Ableger einer Supermarktkette aus Süddeutschland eröffnet wurde.

Im Gepäck hatte der Laden einen neuen Imbiss. Zwar kennt auch hier jeder Metzger das Brötchen mit Fleischkäse, aber es hat längst nicht diesen Status, den der FKW = Fleischkäsweck im Süden hat.

Der Supermarkt verkauft dicke Remmel von frisch gebackenem Fleischkäse zwischen zwei Brötchenhälften für unschlagbare 1,20 Euro. Fett und Hitze lassen das Brötchen augenblicklich zu zwei Pappdeckeln zusammenschmelzen, sobald man hineinbeißt.

Damit einer effizienten Energieaufnahme nichts im Wege steht, hauen die Mitarbeiter den FKW an einer Art Schnellstation raus. Vor der Theke spielen sich herzzerreißende Szenen ab.

Männer kriegen sofort einen sehnsüchtigen Blick, sobald sie Witterung aufnehmen. Manch ein Ehepaar diskutiert lautstark, ob es denn vor der heimischen Mahlzeit wohl erlaubt sei, rasch an die Heiße Theke zu gehen. - Na, gut, dann kann die Frau ja schonmal zum Einkaufen gehen.

Vormittags decken sich Handwerker hier mit Proviant für den Job ein. Nicht ganz ausgeschlossen ist, dass manche nur einen Blaumann tragen, um nicht aufzufallen.

Natürlich steht man Schlange, und zwar meistens. Doch wirklich schlimm ist das Warten nur, solange die Theke weiter als eine Armlänge entfernt ist. Sobald das Ziel so nahe ist, dass die kostenlosen Probierhäppchen in Reichweite rücken, ist alles wieder schön. Manche können ihr Glück kaum fassen und andere schaffen es, sich allein in der Wartezeit die Kalorien eines vernünftigen Mittagessens einzuverleiben. - Respekt!

Um dem Eindruck vorzubeugen, das Angebot sei irgendwie unausgewogen, sollte unbedingt erwähnt werden, dass es nicht nur Fleischkäsweck gibt. Manche Leute stellen sich auch für ein Spießbratenbrötchen oder ein Mettbrötchen (1 Euro) an. Andere verzehren aus Langeweile einen FKW, während sie darauf warten, dass ihre Wienerli oder Rohesser eingepackt werden. Und beim nächsten Mal stelle ich mich für ein Spießbratenbrötchen an.

Dienstag, 6. Oktober 2009

¡Hola Cherimoya!

Die kenne ich! Da war ich schonmal! Als ich den kleinen Aufkleber auf der Cherimoya sah, flashte mich irgendwas zurück in eine andere Zeit. Damals wusste ich noch nichts von Digitalkameras, kannte mich aber super mit Schlagschatten aus. Kann ich mit unzähligen Fotos beweisen.



Den Euro gab es allerdings schon, denn ich erinnere mich, wie ich in der Markthalle die Preise für frischen Fisch bestaunt habe. In diesem Jahr gab es eine Mangoschwemme und die reifen Früchte wurden für ein paar Cent verschleudert. Das einzige Obst, das ich in den Tagen davor in Granada gesehen hatte, waren Cherimoyas. Diese Früchte können mit kaum mehr als ihrer Exotik auftrumpfen. Im Wesentlichen bestehen sie aus riesigen Kernen und wenig aromatischem Fruchtfleisch. Damals ganz nett, aber mehr auch nicht. Heute jedoch immer eine schöne Urlaubserinnerung, wenn ich sie wie alte Bekannte im Supermarkt sehe. - ¡Hola Cherimoya!


Ich verbrachte ein Wochenende mit höllischen Zahnschmerzen in Almuñécar, nachdem mein Sprachkurs in Granada zuende gegangen war und der Rückflug erst zwei Tage später ging.
Der Ort muss damals schon seine beste Zeit hinter sich gehabt haben. Das Label "Costa Tropical" erschien mir wie ein verzweifelter Nachklang aus längst vergangenen Zeiten. Schön war's da, aber an jeder Ecke konnte man sehen, dass es früher mal schöner gewesen ist.

Eugenio el Barato = Eugenio der Billige. Nie im Leben werde ich diesen Namen vergessen!

Ein Zimmer für ganz wenig Geld. Sauber war es trotzdem und ich fand's heimelig.

Almuñécar gehört zur Provinz Granada, falls das jemand vergessen sollte.

In der Markthalle hätte ich weinen können, weil ich keine Küche hatte. Frischer Fisch für kleine Maus, Mangos und Cherimoyas für ein paar Cent.

In der Nähe habe ich mir ein proppevolles Lokal ausgesucht, das frischen Fisch servierte. Mit Salat, Brot und Wein für 5 Euro. Da kann man nicht meckern, auch damals schon nicht. Meine Spanischkenntnisse hätten dazu auch kaum ausgereicht.

Montag, 5. Oktober 2009

Das Beste aus beiden Welten


Zwiebelsuppe? Is' klar, schmeckt immer. Gebunden oder nicht, mit Wein oder ohne, Sahne mitgekocht, Sauerrahm oben drauf, - die Möglichkeiten sind vielfältig. Der inzwischen leider verstorbene Werner O. Feißt schwärmte in der Großmutter-Sendung mal von einer Zwiebelsuppe mit Fadennudeln. Selbst das ist nicht zu verachten, habe ich festgestellt.

Grundsätzlich schwanke ich meist zwischen der französischen Zwiebelsuppe und der pfälzer Variante. Westlich des Rheins schwimmen kleine Baguettescheibchen auf der Suppe, die mit Emmentaler oder Gruyère überbacken wird. Die Pfälzer binden ihre Suppe nicht nur mit Mehl, sondern auch mit Sahne. Man schmeckt deutlich den Wein heraus und obendrauf kommt ein Klecks Sauerrahm und ein paar Croutons.

Heute Mittag habe ich eine schnelle Liaison aus beiden Suppen gewagt. Die Suppe ist mit Sahne, aber nicht mit Mehl gebunden und enthält einen säurelastigen Weißwein. Sie erhält einen ganz petit französischen Akzent durch die Knoblauch-Käsecroutons.

Pro Person eine Scheibe Vollkorntoast in winzige Croutons schneiden und in einer Mischung aus Butter und Öl bei ganz niedriger Hitze goldbraun braten. Die Croutons mit Salz, Pfeffer und zerstoßenem Kümmel würzen und eine gehackte Knoblauchzehe mitbraten. Zum Schluss etwas Käse über die Brotstückchen streuen und unter ständigem Rühren so lange weiter braten, bis auch der Käse goldbraun ist und die Brotwürfel mit einer Käseschicht überzogen sind.

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