Samstag, 24. Januar 2015

Kleine Rotweinkuchen - Aus eins mach zwei



Vor ein paar Jahren kam dieser Trend mit den kleinen Kuchen auf. Sie sehen hübsch aus und sind unter Umständen praktischer als ihre großen Geschwister. Wer seinen Fresstrieb nicht zügeln kann, spürt beim letzten Bissen eher Erleichterung als schlechtes Gewissen. Leute wie ich, die eher dazu neigen, Reste ewig aufzubewahren, kommen mit dem XS-Gebäck auch besser klar, weil es weniger Reste gibt, die irgendwo vergammeln können. Lauter Vorteile also. Die Nachteile sind ebenfalls offensichtlich, denn manchmal ist klein eben doch zu klein. Und von der Energieseite her betrachtet ist das auch alles ungünstig. Für einen winzigen Kuchen den Backofen aufzuheizen, ist zumindest albern. Ein bisschen vernünftiger wird es schon, wenn wir gleich zwei davon in die Röhre schieben.


Vor kurzer Zeit habe ich so eine kleine Mini-Springfom mit Lochboden beim Discounter gekauft. Die Napfkuchenform ist schon wesentlich älter und ich denke, sie stammt aus der Zeit, als ich einen dazu passenden Minibackofen in meiner Studentenküche hatte.

Die kleinen Backformen fassen jeweils etwa 0,5 Liter. Da passt es gut, wenn wir ein normales Rezept für einen Kuchen in der 11 x 25 cm Kastenform durch 2 teilen, - denn die fasst 1 Liter. Leider kann man die Backzeit nicht auch einfach durch 2 teilen. Das haut nie im Leben hin. Bei einem Kuchen, der in der großen Form etwa 55 bis 60 Minuten braucht, gehe ich hier mal von 45 Minuten in der kleinen Form aus.



Zwei kleine Rotweinkuchen

100 g dunkle Schokolade
50 g Mandeln, mit Haut
200 g weiche Butter
100 g Zucker
1 Prise Salz
2 TL Vanilleextrakt
3 Eier
200 g Mehl mit 2 1/2 gestr. TL Backpulver gemischt
100 ml Rotwein
2 gestr. TL Kakao
1 gestr. TL Zimt

Puderzucker und Rotwein für den Guss


Den Backofen auf 180°C vorheizen

Die Backformen gründlich mit Butter fetten und mit Mehl ausstreuen. Überschüssiges Mehl ausschütten. Die Formen bis zur weiteren Verwendung in den Tiefkühler oder in den Backofen stellen.

Die Schokolade mit einem schweren Messer hacken und eventuell noch mal kurz in den Mixer geben.

Die Mandeln im Mixer fein zerhacken.

Die Butter schaumig schlagen. Vanilleextrakt, Zucker und Salz mit der Butter schlagen. Die Eier hineinschlagen und gut verrühren.

Mehl mit Zimt und Kakao mischen und abwechselnd mit dem Rotwein unter die Buttermischung rühren.

Den Teig auf die vorbereiteten Formen aufteilen. Die Formen noch mal leicht auf die Arbeitsplatte schlagen, damit der Teig auf auf den Boden sinkt.

In den vorgeheizten Ofen geben und ca. 45 Minuten backen.

Auf einem Gitter zunächst 5 bis 10 Minuten abkühlen lassen und dann vorsichtig aus den Formen stürzen. Auf dem Gitter vollständig abkühlen lassen.

Etwas Puderzucker mit ganz wenig Rotwein anrühren und den Kuchen nach Geschmack damit bestreichen. Den Guss fest werden lassen.

Sonntag, 18. Januar 2015

Pulled Hämmchen

Die vergangenen Tage brachten aufregende Neuigkeiten für mich. Im Laufe des Jahres steht eine kleine Reise an, die für andere sicherlich nix Besonderes wäre. Aber für mich ist die Sache eher außergewöhnlich. Und wie gesagt, ziemlich aufregend. Sogar mein Appetit hat ein bisschen darunter gelitten. 

Mit gewohnter Zuverlässigkeit war der alte Schlawiner aber heute Mittag zurück. Und so hatte das wunderbare Sauerkraut aus dem Gesindehaus endlich seinen Auftritt. Ein schönes Kraut, eher grob als fein geschnitten, fruchtig und nur leicht säuerlich, schon im Steinguttopf mit Wacholder und Lorbeer gewürzt. Mit Kartoffeln aus meinem Nachbardorf und einem kleinen Eisbein (Hämmchen oder Hämmche, wie es bei uns heißt) aus dem Bergischen Land wurde daraus ewas sehr Empfehlenswertes.




Normalerweise lässt man Fleisch bei niedriger Temperatur lange garen, damit es schön weich wird. Beim Eisbein ist das eigentlich nicht nötig, denn das zerfällt sehr leicht in butterweiche Stücke. Doch es gibt einen anderen Grund, weshalb ich das Fleisch in einem Gefrierbeutel zwei Stunden bei 80°C gegart habe. Das ganze Fett und die Flüssigkeit werden in dem Beutel aufgefangen und können danach weiter verwendet werden.



Das Eisbein war übrigens nicht gepökelt und daher nicht wie gewohnt schweinchenrosa. Mir ist der Geschmack von dem ungepökelten Fleisch ein bisschen lieber. Das Fleisch habe ich in Stücke geschnitten und dann mit etwas Salz und einer gewürfelten Zwiebel ganz langsam in einem kleinen Topf in der eigenen Flüssigkeit weiter gegart.




Es dauert nicht sehr lange, bis sich das Fleisch mit einer Gabel zerrupfen lässt. Die Fleischfetzen kommen dann zu dem fertigen Sauerkraut. Dafür habe ich eine Zwiebel angeschwitzt und dann reichlich gemörserten Kümmel und schwarzen Pfeffer mitschwitzen lassen, ebenso das Sauerkraut. Sobald alles ein bisschen Aroma entwickelt hat, kommt etwas Weißwein zum Kraut und dann darf es nach Geschmack weich kochen. Den Saft aus dem Hämmchen, der sich schön mit der Zwiebel vermischt hat, kann man leicht entfetten und zum Kraut geben. Wenn man gutes Fleisch genommen hat, dann schmeckt dieser Saft köstlich!



Zu Eisbein und Sauerkraut passten sicherlich auch andere Beilagen, aber Püree von leckeren Kartoffeln ist nie verkehrt.

EDIT: Zwei Stunden bei 80°C + ca. eine Stunde Nachgaren im eigenen Sud reicht für so ein winziges Stück Fleisch, wie ich es hatte. Ein ganzes Eisbein ist aber deutlich (!) größer. Die Garzeiten müssten also entsprechend verlängert werden. Für mehrere Personen würde ich bei dieser Methode aber eher mehrere kleine Hämmchen empfehlen.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Pasta #58 - Buttermöhrchen für die Figur

Blog-Event CIV - Rezepte fuer die Figur

Rezepte für die Figur. - Hey, was für eine Figur? Der menschliche Körper ist ja an sich schon so eine Witzfigur. Alles, was wir essen, ist, wenn man es so sieht, auf irgendeine Weise für die Figur.

Aber mit dem Ausdruck „für die Figur“ ist wohl was anderes gemeint. Der Ausdruck ist schon ein bisschen in die Jahre gekommen, bedeutet aber eigentlich „für die schlanke Figur“. Heute sagt man sowas nicht mehr. Jedenfalls nicht, wenn man cool ist. Heute muss man detoxen, gesund leben, leicht leben, entlasten, was für sich tun, mal ausprobieren ob man ohne Kohlehydrate auskommen kann, unverträgliche Nahrungsmittel meiden, sich besser fühlen, ein veganes Experiment machen, alles roh (neue Schreibweise: raw) essen, diese unheimlich leckeren grünen Smoothies trinken, für den Geist und die Seele fasten, schnell noch eine rauchen, gerade so einen gesunden Stress haben… und ganz nebenbei (echt!) ein paar Kilos verlieren. - Aber hey, Abnehmen? Ich doch nicht!

Abnehmen ist uncool und das wissen auch die, die fast ihr ganzes Leben pausenlos auf Diät sind. Bloggerinnen, die lieber sterben würden, als Kohlehydrate zu essen, posaunen herum, wie schamlos sie reinhauen können und dass sie sich das Buttercremefrosting mit dem Löffel reinpfeifen. Selbst Supermodels, deren Daseinszweck das Diäthalten und Dünnsein ist, lassen sich wie zufällig mit fettriefenden Burgern fotografieren und das Material von den eigenen Agenturen verbreiten. Und warum tun sie das? Weil sie wissen, wie unsexy es ist, wenn man nie etwas essen kann. Obwohl jeder einsieht, dass man nicht mit 1,75 m Körpergröße in Size Zero reinpasst, wenn man dicke Butterbrote mit Leberwurst oder Wiener Schnitzel zu sich nimmt, soll die kaufkräftige Öffentlichkeit auf gar keinen Fall das echte Bild im Kopf haben.

Auch ein Supermodel verliert deutlich an Glamour, wenn das hübsche Gesicht beim Anblick von Nahrung Stress und Schweißperlen zeigt. Keiner soll die gesellige Tafelrunde sehen, bei der das richtige Essen den Männern vorbehalten ist, weil die Damen wirklich nur an einem Salat schnuppern wollen. Oder diesen Fototermin auf dem Oktoberfest, bei dem für die Kameras noch Bierhumpen gestemmt werden und danach ein Teller mit magerem Schinken für den ganzen Abend reichen muss. Puh, was bin ich satt! Ich hatte doch gestern schon eine Erbse!

Kann man sich dem entziehen oder machen wir da alle mit? Für Hollywood-Stars und Models ist das sicherlich vertretbar, denn es gehört zum Geschäft.

Bei mir ist es andererseits so, ich kann abspecken bis zum Gehtnichtmehr, davon werd ich auch nicht schöner. Und 20 Kilo weniger machen mich nicht 20 Jahre jünger. Auch wenn nach der Abspeckkur jeder säuselt, ach Gott, was siehst Du guuut aus! Hast Du abgenommen?

Willst Du Dein Leben wirklich mit diesem Unsinn verbringen? Dann sieh Dich in Deinem Bekanntenkreis um und überlege mal, wer alles schon die meisten seiner Jahre mit Diät (oder Detoxen, gesund Leben, leicht Leben, der super-gesunden Soundso-Kur… siehe oben!) zugebracht hat.

Natürlich kann auch ich mich dem ganzen Quatsch nicht ganz entziehen. Ich lebe schließlich nicht auf meinem eigenen Planeten. Aber ich möchte lieber von Essen erzählen, das gut schmeckt und satt macht. Ich finde nämlich, mehr muss Essen gar nicht können.

Daher gibt es aus Anlass des Blog Event CIV - Rezepte für die Figur bei mir ein ganz normales Mittagessen, wie ich es an einem Wochentag koche. Da kann sich jeder aussuchen, für welche Figur er es gerade nötig hat. - Guten Appetit!

Das Blog-Event findet wie alle guten Blog-Events bei Zorra im Blog 1x umrühren aka kochtopf statt. Vielen Dank dafür, liebe Zorra!




Buttermöhrchen-Pasta

pro Person
1 Portion Spaghetti
2 mittelgroße Möhren
2 Knoblauchzehen
Salz
Pfeffer oder Chili
Olivenöl
Butter
1 Prise Kreuzkümmel

+ Parmesan zum Servieren

Spaghetti in Salzwasser kochen.

In der Zwischenzeit Möhren schälen und in kleine Stücke schneiden. Die Möhren mit etwas Salz langsam in Olivenöl braten, bis sie weich sind. Das Gericht schmeckt umso besser, je langsamer die Möhren gebraten werden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, macht es also umgekehrt und bereitet die Möhren vor den Spaghetti zu.

Den Knoblauch hinzufügen und kurz mit den Möhren schwitzen lassen. Kreuzkümmel mörsern und die Möhren damit würzen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Möhren in einen Mixer geben und kurz zerkleinern. In der Pfanne mit etwas Butter vermischen und nochmals kurz erhitzen.

Die Spaghetti abschütten und tropfnass mit den Möhren vermengen.
Mit geriebenem Parmesan servieren.




Donnerstag, 1. Januar 2015

Neujahrs-Pastetchen - Hier und Jetzt

Hätte ich einen Rückblick auf das vergangene Jahr schreiben sollen? Ich gebe zu, die Fragebögen, die zum Jahreswechsel wieder in allen Blogs auftauchen, reizen mich. Der folgenreichste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? 3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? - Dazu hätte ich wirklich eine Menge zu sagen, denn 2014 war ein aufregendes Jahr für mich. Aber sind wir mal ehrlich, das geht Euch alles nix an. Das ist schließlich nur ein Foodblog!

Deshalb fasse ich mal kurz das Wichtigste zusammen, was nichts mit Essen zu tun hat: Verdammtes Glück gehabt, die besten Freunde aller Zeiten, ein gutes Jahr. Mehr muss man nicht wissen. Das neue Jahr hat bereits begonnen und meine Pläne für die Zukunft sind hier und jetzt wichtiger als ein Blick in den Rückspiegel. Aber am allerwichtigsten ist meiner Ansicht nach immer das Mittagessen:

Thunfisch-Pastetchen mit Erbsen


Es sieht ganz danach aus, als wäre es üblich, Blätterteigpastetchen zu Neujahr zu essen. In den Bäckereien der Region stehen sie kurz vor dem Jahreswechsel immer auf der Theke und danach gibt es sie nicht mehr. Ich habe sowieso den Eindruck, sie sind ein bisschen aus der Mode gekommen. Früher bekam man in jedem Café, das Kaffee und Kuchen servierte, auch Königin Pastetchen. Wenn ich als Kind schon gewusst hätte, dass sie irgendwann mal so gut wie ausgestorben sind, dann hätte ich sicherlich eins probiert. Aber so sind sie mir irgendwie durchgegangen, auch in Belgien. Dort habe ich als Kind mit meinen Eltern viel Zeit verbracht, und dort wurden die Bouchées à la reine wahlweise mit Kalbsragout oder mit Nordseekrabben und Fisch serviert, stets begleitet von einer großen Portion Fritten.

Blätterteig in Ringen auf einen Boden türmen


Zu Hause gab es manchmal Pastetchen mit Thunfisch und ich mochte das sehr gerne. Meine Mutter hatte das Rezept aus der Sammlung Menü und es war so ziemlich das erste Rezept, das ich schon als Kind nachgekocht habe. Angesichts der angespannten Vorratslage nach dem Feiermarathon, ein praktisches Essen zu Neujahr.

Pastetchen, frisch aus dem Ofen


Die Pastetchen habe ich aus ganz hervorragendem Butterblätterteig gebastelt. Dabei handelt es sich um ein Fertigprodukt, das nichts außer Mehl, Butter, Wasser und Salz enthält, und auch entsprechend gut schmeckt.

Für das Ragout brate ich Zwiebeln ganz langsam in Olivenöl mit etwas Butter und Salz an. Dazu kommt etwas Porree und Knoblauch. Wen alles weich ist, kommt der abgetropfte Dosenthunfisch und ein paar Kapern hinein. Sahne aufgießen, mit ganz, ganz wenig Curry (nur als Geschmacksverstärker) und viel schwarzem Pfeffer abschmecken und kurz aufkochen. TK-Erbsen in die heiße Sauce geben und darin nur erwärmen, nicht mehr mitkochen lassen. - Fertig!

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und gesegnetes Jahr 2015! 


Neujahrspastetchen mit Thunfisch und Erbsen



Montag, 29. Dezember 2014

Beute gemacht - Schwarzmarkt in Ehrenfeld

Schwarzmarkt - Ausbeute


Das hat sich wohl gelohnt! Mit dieser sagenhaften Ausbeute bin ich gestern Abend vom Schwarzmarkt, der ersten Tauschbörse im Marieneck, heimgekehrt. Jörg Utecht und Marco Kramer hatten sich mit Feuer und Flamme in die Organisation gestürzt und für mich war gleich klar, dass ich daran teilnehmen würde. Auch, wenn ich gar kein Eichhörnchen bin und tatsächlich selten Lebensmittel übrig habe. Doch dagegen kann man ja etwas unternehmen. Und so fuhr ich zwischen Arbeit und Feiertagen schnell nach Sülz, um koreanische Gewürze zu kaufen, legte mir neue Gläschen mit Schraubdeckel zu und druckte Etiketten. Nebenbei fand ich auch noch Zeit, etwas zu produzieren, was in die Gläschen rein sollte: Das gute Wunderöl, nach dem Rezept von missboulette!

Wunderöl im Gläschen


Anregungen und Rezepte zum Wunderöl gibt es bei pastasciutta zum Beispiel hier und hier. Bei missboulette, von der ich das Rezept und auch die Bezeichnung übernommen habe, steht noch mehr dazu.

Ich freue mich jetzt über die sagenhafte Beute, die ich gestern gemacht habe: Honig aus Bensberg und aus Nippes! Himbeeressig! Rotweinessig! Sauerkraut aus dem Steinguttopf! Kölner Mirabellen-Chutney! Düsseldorfer Gemüsefond! KTCHP aus der Südstadt! Hammermäßiges Brot vom Schelli! Apfelmus! Mohnöl! Pesto! Colasirup aus ätherischen Ölen, nach Originalrezept von Pemberton!

So ein Tauschnachmittag im Marieneck ist übrigens keine trockene Angelegenheit. Während pausenlos frisches Brot aus dem Ofen gezogen wird, blubbert der Rote-Bete-Kappestopf auf dem Herd und nebenbei knallen die Korken, DJane Luzie legt was auf den Teller und die Stimmung ist so wie immer im Marieneck. Am Ende schwören alle, dass sie das ganz bald wieder machen möchten.

Wer jetzt den Auftakt einer neuen Tradition verpasst hat, muss nicht traurig sein. Der Schwarzmarkt blüht sowieso immer und in diesem Fall gibt es garantiert eine Fortsetzung.

Hier noch ein paar Impressionen bei den Kollegen:

Schwarzmarkt in Köln bei Chezuli

ethnographische notitzen 087 - schwarzmarkt

Rote-Bete-Pot-au-feu auf dem SCHWARZMARKT

Hey... hey Du!!! Wer? Ich??? Genauuuuuuuuu… Schwarzmarkt in Köln-Ehrenfeld !



Mittwoch, 10. Dezember 2014

Zum Hören, Lesen, Hinfahren und Nachmachen

Foodcamp Franken 2014


Unsere Reise fand im Oktober 2014 statt. Doch die freundlichen Franken sind weiterhin vor Ort. - Ist das nicht toll? Die lassen wirklich alles so, wie es während unserer Reise war, und da kann man überall hinfahren, essen, trinken...

->>>>> Hier geht es direkt zu allen Foodcamp-Links<<<<<-




Foodcamp Franken 2014 fand vom 16. - 19. Oktober 2014 mit Basis in Nürnberg statt. Die Reise wurde organisiert vonFlorian BaileyTorsten Goffin, Anja Reinhardt und Claudia Hinnerkopf (beide Bayern Tourismus Marketing GmbH). Allen, die diese Reise möglich gemacht haben, danke ich auf Knien. - Nicht nur, weil die Kosten dieser Reise von Bayern Tourismus Marketing übernommen wurden. So viel Liebe und Herzblut wie in dieser perfekt organisierten Veranstaltung steckt, kann man sowieso nicht in Zahlen ausdrücken. Darüber hinaus danke ich den fleißigen und ehrlichen Handwerkern, die uns ihre Stuben, die Wurstküche, die Backstube, ihre Keller und ihre Weinberge geöffnet haben, und die uns am Samstag in Nürnberg besuchten!

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Fränkisch lernen mit Arnd

 Foodcamp Franken, Teil III


Mit fremden Dialekten habe ich leichte Probleme. So richtig sympathisch sind mir die wenigsten. Als gelernte Linguistin kann ich mir das verzeihen, denn ich weiß, dass solche Gefühle sehr tief sitzen. Da kann man meist nicht viel machen. Trotzdem gelingt es gelegentlich, den inneren Widerstand zu überwinden und in totale Sympathie und Begeisterung umschlagen zu lassen. Es muss einfach nur ein Mensch kommen, der umwerfend herzliche und sympathische Worte in einer fragwürdigen Mundart formt. Dann ist alles gut.

Der Fränkische Sound hat sich seit dem Foodcamp Franken in meinen Ohren grundlegend verändert. Begeisterte und strahlende Franken begegneten uns mit einer Offenheit und Herzlichkeit, mit der ich gar nicht gerechnet hätte.  Kein einziger zeigte Hemmungen, eine Horde Fremder in sein Haus zu lassen. Überall durften wir schamlos alles ansehen, schmecken, riechen und anfassen. Am dritten Tag sollten wir auch noch einen Bäcker kennen lernen, der den Dialekt auf seine Brottüten schreibt und so die ganze Welt fränkische Vokabeln lernen lässt. Das mit der ganzen Welt ist sicherlich keine Übertreibung, denn wer Panettone nach Italien schickt, um dessen Backwaren reißen sie sich bestimmt woanders auch.

Die Umstände hätten gerne weniger ungünstig sein können, denn wir trafen Arnd und Michaela Erbel nach längerer Busfahrt, auf nüchternen Magen. Der Samstagmorgen war für die meisten von uns etwas zu früh gekommen und so spuckte der Bus eine Ladung hungriger Zombies in Dachsbach aus, die sich alsbald in der kleinen Küche der Backstube um einen kahlköpfigen Franken im Unterhemd scharten. Jeder Platz, der um uns und den Freibäcker herum noch zur Verfügung stand, war mit Backwerk ausgefüllt. Blecheweise Plunderteilchen mit weißem Mohn und Marzipan, Plunderteilchen mit Nürnbergern und Kraut, kleine Croissants. Früchtebrot, Brötchen, fluffiges Brioche, Sauerteigbrot… mir kommen die Tränen vor Sehnsucht, während ich das schreibe.

Arnd Erbel, Freibäcker aus Dachsbach


Und dann sprach Arnd Erbel die Worte, die das Fränkische bei mir für alle Zeiten auf die Hit-Playlist setzten: „Alles, was hier so rumsteht, dürft ihr euch nehmen und aufessen“. Wahrscheinlich hat er das irgendwie anders gesagt, aber die Aussage war klar und deutlich. Ich versuchte höflichkeitshalber noch darauf hinzuweisen, dass wir keine Gefangenen machen, aber das ging im allgemeinen Schmatzen schon unter.

Inzwischen ist viel geschrieben worden, über diesen denkwürdigen Aufenthalt in Dachsbach. Über den sagenhaften Geschmack von Biogetreide aus der Umgebung, über handgeknackte fränkische Walnüsse, über den Bäcker, der mit seinem Sauerteig ins Kino geht und der noch nicht einmal im Laden einen Hinweis darauf angebracht hat, dass bei ihm alles Bio ist. Michaela und Arnd bewirteten uns als wären wir alte Freunde. Fast zerreißt mir das Herz, weil wir diesen Ort wieder verlassen müssen. Doch die Trennung war nötig, denn wir wären sicherlich alle nach einander geplatzt.

Freibäcker Idylle


Kurz bevor ich in den Bus steige, erwerbe ich noch eine Packung Lebkuchen. Zum Glück habe ich das weiche Nussgebäck nicht gleich beim Freibäcker gekostet, denn sonst hätte ich mich irgendwo dort festketten müssen, damit mich niemand mehr aus der Backstube entfernen kann. Es handelt sich um eine andere Dimension von Lebkuchen, die nichts mit allen anderen Lebkuchen auf der Welt zu tun hat, - einfach gar nichts!

Heute gab es ein glückliches Wiedersehen, denn der Postmann hat mir ein Paket vom Freibäcker gebracht. Ein paar Fränkische Vokabeln hat Arnd Erbel auch mit reingepackt. Wenn sie sich so verbreiten wie seine Backwaren, dann reden hier demnächst alle Fränkisch.

Wie sich das im Originalton anhörte, als Arnd uns in seiner Backstube begrüßte, kann man beim Küchen-Funk nachhören!


Lebkuchen - Das Glück kam mit der Post



Gschnufri, Grischberla, zweggerd, nissi...



Alle Links zum Foodcamp Franken 2014

Foodcamp Franken 2014 fand vom 16. - 19. Oktober 2014 mit Basis in Nürnberg statt. Die Reise wurde organisiert von Florian BaileyTorsten Goffin, Anja Reinhardt und Claudia Hinnerkopf (beide Bayern Tourismus Marketing GmbH). Allen, die diese Reise möglich gemacht haben, danke ich auf Knien. - Nicht nur, weil die Kosten dieser Reise von Bayern Tourismus Marketing übernommen wurden. So viel Liebe und Herzblut wie in dieser perfekt organisierten Veranstaltung steckt, kann man sowieso nicht in Zahlen ausdrücken. Darüber hinaus danke ich den fleißigen und ehrlichen Handwerkern, die uns ihre Stuben, die Wurstküche, die Backstube, ihre Keller und ihre Weinberge geöffnet haben, und die uns am Samstag in Nürnberg besuchten!

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