Donnerstag, 27. August 2015

So sieht Social Media aus: Blogger für Flüchtlinge

Eigentlich wollte ich zu dem Thema gar nichts schreiben, aus vielerlei Gründen. Ich fühle mich dazu nicht berufen und es wird schon zu viel dummes Zeug geschrieben und gesagt. Im Gegensatz zu vielen aus meiner Bubble komme ich nicht mit Asylgegnern in Kontakt, was vielleicht Zufall ist. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich diesen Kontakt nicht suche.
Dass diese virtuellen Schulhofschlägereien weder sinnvoll noch klug sind, beschreibt hier Robin Mesarosch sehr schön. Sich für einen kurzen Moment sehr überlegen fühlen, weil man glaubt, für eine gute Sache zu pöbeln, reißt nur noch tiefere Gräben auf.
Es gibt bei diesem Thema auch nichts Grundsätzliches zu diskutieren. Wer seine Heimat verloren hat oder dort nicht mehr leben kann, den kann man nicht am Grenzzaun sterben oder auf dem Mittelmeer ertrinken lassen. Dass wir in solchen Fällen Schutz gewähren, gehört zu unserer Kultur und zum Menschsein, denke ich.

Dass die Notleidenden dieser Welt seit einiger Zeit massenhaft Einlass begehren, mag manch einen überfordern. Gerade die Bilder der jüngsten Zeit vermitteln den Eindruck, die Flüchtlingsboote kämen über den nächsten Baggersee und die Flüchtlingstrecks endeten unmittelbar vor der eigenen Haustür. Wenn man mit diesen Bildern alleine vor dem Fernseher sitzt, kann man leicht dem Glauben erliegen, dass das alles zu viel wird. Wer hingegen den Hass und die Gewalt sieht, die sich gegen das Lindern von bitterster Not richten, verliert den Glauben an die Menschheit. Doch tatsächlich muss niemand alleine die Probleme der Welt lösen. Das ist es vielleicht, was unbedingt noch gesagt werden müsste.
Über die Balkanroute landen täglich hunderte Flüchtlinge in Passau. Die Zeit beschreibt, wie die Bewohner damit umgehen.
Wahnsinnig viele Menschen bringen sich ein, opfern Zeit, spenden Geld, geben Essen, Kleider, Spielzeug; lindern Not. Eine Welle der Hilfsbereitschaft geht durch Europa. Selbst in den echten Brennpunkten, wie Süditalien, der Türkei oder Griechenland sind die Hilfsbereiten in der Überzahl.
Aus diesem Grund gibt es hier und jetzt doch einen Eintrag zu diesem Thema. Menschen, die helfen, sind der Grund. Den Helfern mehr Beachtung zu schenken als den Zerstörern, ist dringend notwendig. Und den Anlass liefert eine Initiative von Bloggern, die bereits in den ersten Tagen wahnsinnig viel bewegt hat.

Das Logo taucht derzeit in sehr vielen Blogs auf. Buchstäblich über Nacht entstanden und genauso schnell mit einer Riesenspendensumme am Start. Innerhalb von drei Tagen wurden über 22.000 € gesammelt, und es geht noch weiter. So sieht nämlich Social Media aus.


Schon seit geraumer Zeit hat Jörg eine kleine Gruppe von Flüchtlingen unter seine Fittiche genommen. Die Männer aus unterschiedlichen Ländern warten darauf, dass über ihr Schicksal entschieden wird. Bis dahin lernen sie mit Jörgs Hilfe, sich am Niederrhein zurecht zu finden.

Wie Sachspenden an die richtige Adresse kommen, weiß der Stern: Versandkostenfrei Spenden an Flüchtlinge schicken

Noch mehr Menschen, die Gutes tun, im Stern: So unterstützen Deutsche Flüchtlinge

Mit einer beispiellosen Infrastruktur an Hilfsangeboten ist das Erzbistum Köln in unserer Region automatisch vor Ort, praktisch überall. Über das Netzwerk der Kirche kommt Hilfe schnell an die richtige Stelle: Aktion neue Nachbarn.

Dazu auch das Domradio: Flüchtlingshilfe

Der Spiegel: Welcome to Germany. Locals Step In to Help Refugees in Need
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Die Zeit: Wie kann ich Flüchtlingen helfen?

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Montag, 24. August 2015

Gib mir Gelbe Bete!



Weiche Sachen soll ich essen, meint der Zahnarzt, nachdem er ein Massaker an meinem Beisswerkzeug angerichtet hat. Als ob ich das nicht selber wüsste. Außerdem steht mir der Sinn sowieso nach flauschweichem Fleisch, das man mit dem Löffel zerdrücken und mit butterigem Püree vermischen kann. Das Rindfleisch brate ich an und gebe es zu langsam geschmorten Zwiebeln, Stangensellerie, Möhren, grünen Abschnitten vom Breitlauch, Knoblauch. Klein geschnittene Tomaten, ein paar Lorbeerblätter und eine Flasche Rowein hinein, und dann einfach mal bei kleiner Hitze schmoren lassen, bis alles schön weich ist.

Für die Lust auf sämige Sauce ist das nix, denn das Fleisch liegt eher in einer Art Sud. Weil die fleischliche Komponente so schön mager ist, passt dazu ein eher reichhaltiges Kartoffelpüree.


Gelbe Bete


Dazu gibt's Gelbe Bete. Die kenne ich sonst nur aus dem Internet und Foodfotos. Bis heute Mittag wusste ich gar nicht wie die schmecken. - Und die schmecken toll! Nicht so erdig, sondern eher fruchtig. Mir haben sie sogar so gut geschmeckt, dass ich eine, so groß wie ein Tennisball, einfach gekocht und in Spalten geschnitten, ohne jegliche Zugabe, als Beilage gegessen habe.

Gelbe Bete, gekocht

Der Anblick täuscht ein bisschen, denn das Gemüse sieht auf dem Foto irgendwie faserig aus. - Das war es aber auf keinen Fall.

Eine gabs pur, als Beilage zu Fleisch und Püree, aus dem Rest wurde ein Salat. Dazu habe ich ich das Gemüse gar gekocht, geschält und in Würfel geschnitten und dann mit Olivenöl, Salz und Rotweinessig angemacht.


Samstag, 15. August 2015

Richtig und falsch gewickelt

Falsch gewickelt, nein so geht das nicht!

Zorra und Janke fordern zum Füllen und Wickeln auf. Das 111. Blog-Event im Kochtopf rückt Crêpes und Wraps in den Mittelpunkt.

Während ich Wraps echt genial finde und wirklich gerne esse, weil man eine ganze Mahlzeit lecker darin einpacken kann, stehe ich mit Crêpes von je her ein bisschen auf dem Kriegsfuß. Die hauchdünnen französischen Pfannekuchen sind leider am Ende doch nur Pfannekuchen, und diese schmecken mir höchstens ein paar Mal im Jahr. Als Kind und bis weit ins Erwachsenenalter mochte ich Pfannekuchen und sämtliche Unterarten eigentlich gar nicht. Selbst bei meinen zahllosen Frankreich-Aufenthalten fand ich Crêpes und Galettes nie besonders attraktiv. - Bis auf eine einzige Ausnahme! Ein einziges Gericht mit Crêpes ist mir als, auch früher schon, sagenhaft wohlschmeckend in Erinnerung geblieben.

Blog-Event CXI – Wraps, Crêpes & Co. (Einsendeschluss 15. August 2015)

Als ich noch ein Kind war, pflegten meine Eltern die Anreise zu unserem Ferienort in der Nähe von Nizza als Ereignis zu planen. Mindestens einmal übernachteten wir auf jeder Strecke, und wir zelebrierten jede Übernachtung mit einem riesigen Abendessen. Manche Fahrten wurden sogar ein zweites Mal für eine Übernachtung unterbrochen. Diese Zwischenstopps gehörten in jedem Jahr zu den Höhepunkten der Sommerferien, - auch wegen des Essens. Während die meisten Adressen auf dem Weg aus dem Rheinland an die Côte d'Azur aus Büchern, aus Zeitschriften oder aus dem Guide Michelin stammten, verschlug uns gelegentlich auch der Zufall mal in das eine oder andere Hotel. Ich erinnere mich an ein winziges Haus am Lac d'Annecy, das meiner Mutter wohl ein wenig zu einfach war und das auf einer zauberhaften Laubenterrasse gebackene Fischlein aus dem See servierte. - Köstlich!

Ein Hotel, das wir mehr als einmal besuchten, lag in einem winzigen Ort in der Nähe von Grenoble. Das Haus war uns von einem guten Freund empfohlen worden, der sich während des zweiten Weltkriegs auf der Flucht vor den Deutschen in dieses verlassene Nest gerettet hatte, um dort seine spätere Frau zu treffen. Als wir das kleine Dorf in den achtziger Jahren kennenlernten, litt es ein wenig unter Verlassenheitsgefühlen, die nach den Winterspielen 1968 wohl eine Weile anhielten. Im Gunde war dort gar nichts los und in dem Hotel, das unser Freund empfohlen hatte, war auch irgendwie der Lack ab. Dennoch. Die französischen Alpen sind zauberhaft, die Leute waren damals sehr freundlich und wir genossen ein altmodisches, mehrgängiges, französisches Menü. Die Küche passte zu den Gästen, die dort ihre Ferien verbrachten. Ohne die junge Familie aus Köln lag der Altersdurchschnitt bei zirka achtzig Jahren. Obwohl ich die Einzelheiten nicht mehr präsent habe, erinnere ich mich, dass dieses altmodische Essen herrlich schmeckte. Leider ist mir bis heute nur ein einziges Gericht in Erinnerung geblieben: Crêpes mit Kalbfleischfüllung. Hauchdünne Pfannekuchen, mit Kalbshackfleisch gefüllt, mit einer cremigen Sauce. Zwei Stück waren damals offenbar sowas wie eine angemessene Portion für einen Zwischengang, den man einem Kind servierte. - Bei allen späteren Diskussionen über künftige Urlaubsreisen stimmte ich immer sehr dafür, wieder in diesem kleinen, alten Hotel zu übernachten.

Hier meine Version 2015:

Crêpes farcis au veau hachis - Crepes mit Kalbfleischfüllung

für 4 Crêpes
3 Eier
150 ml Milch
100 g Mehl
1/2 TL Salz
Butter zum Backen
beschichtete Pfanne
Pinsel

500 g Kalbshack
Olivenöl zum Anbraten
1 dicke Zwiebel, fein gewürfelt
ca. 150 g fein gewürfelter Stangensellerie
Salz
100-200 ml Brühe

1 EL Butter
1 EL Mehl
200 ml Milch
50-100 ml trockenen Wermut
100 g Sahne
Salz
Pfeffer
Muskat

2 EL geriebenen Käse, zB Parmesan, Gruyère Emmentaler


Zunächst die Crêpes backen. Die Zutaten gründlich verquirlen und den Teig etwa 15 Minuten stehen lassen. Die Pfanne erhitzen und mit etwas Butter auspinseln. Vier dünne Crêpes backen und beiseite stellen.

Kalbfleisch mit Zwiebeln, Sellerie und Salz in einer großen Pfanne anbraten. Das Gemüse sollte weich sein. Brühe angießen, kurz aufkochen und dann abkühlen lassen.

Mehl in Butter kurz anschwitzen, nicht dunkel werden lassen. Milch aufgießen und rühren, bis eine glatte Sauce entsteht. Wermut und Sahne unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.

Und dann kommt es! Das folgende Bild dient nur der Abschreckung. - So geht das nicht!

Falsch gewickelt, nein so geht das nicht!


Bei manchen Gerichten kommt es nicht so genau darauf an. In diesem Fall ist das Wie aber entscheidend. Es geht darum, dass richtig gewickelt wird und nicht einfach irgendwie. 
Beim ersten Versuch habe ich eine relativ kleine Menge Füllung verwendet und die Crepes wie eine Frühlingsrolle gewickelt. Den unteren Rand über die Fülung gelegt, die Seiten eingeklappt und den Rest stramm aufgerollt. Hält bombenfest und löst sich mit etwas Kleber (Eiweiß oder Wasser/Mehl) am oberen rand selbst in der Friteuse nicht auf. Deshalb wickelt man Frühlingsrollen auf diese Art 
Die feinen Crepes mit Kalbfleisch mögen das aber gar nicht. Viel zu viele Schichten Teig liegen so übereinander und das ganze Gericht ist vollkommen unausgewogen.
Richtig ist es hingegen, die möglichst hauchdünnen Crepes locker über der Füllung einzuschlagen und sie dann mit dem Schlüss nach unten in eine Form zu legen. Auf diese Art liegen nur an einer kleinen Stelle zwei Teigschichten übereinander. der Rest besteht aus einer hauchdünnen Hülle, die mit feinem Ragout gefüllt, von cremiger Sauce umschmeichelt und mit etwas Käse aufgeknuspert wird.

Die Crêpes also mit dem Fleisch füllen, locker einwickeln und in eine flache Auflaufform legen. Mit Sauce übergießen und Käse darüber streuen. Bei 180°C backen, bis alles eine schöne Farbe hat. Das dauert so etwa 20-30 Minuten.


Vielen Dank an Zorras Kochtopf und Jankes*Soulfood für dieses Event. Ich habe den Ausflug in die Vergangenheit sehr genossen!

Montag, 20. Juli 2015

Wir brauchen den Summer of Supper!

1. Der Auftakt
Man kann nicht überall hingehen. Normalerweise komme ich gut damit klar, dass Zeit und Geld irgendwie begrenzt sind. Doch während des Summer of Supper fällt es schwer, diese Tatsache zu akzeptieren. Nun ist diese herrliche Veranstaltungsreihe, die im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde, gerade zuende gegangen und mir tut es um jeden Abend leid, den ich nicht im Marieneck verbringen konnte. Die Sommerwochen, die mit Supperclubs im Marieneck ausgefüllt sind, haben einfach zu viel Charme.

Doch genug gejammert, zu meinem großen Glück durfte ich ja gemeinsam mit Johannes Arens den Auftakt kochen. Selbstverständlich bei brütender Hitze, wie bei fast jedem Supperclub, den ich je gekocht habe (fragense mal in London!).

Thematisch orientierten wir uns an einer gewissen Neigung ins Dreiländereck, die wir beide haben. Das Menü schmeckte nach Belgien, Holland und Aachen, - so wie wir das empfinden. Vier Gänge hatten wir uns ausgedacht, die von kleinen Überraschungen aufgelockert wurden, die woanders vielleicht als "Gruß aus der Küche" bezeichnet würden, bei uns aber "Schmuggelware" hießen, in Anspielung auf den unbürokratischen Grenzverkehr.

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Cidre aus Aubel
Wursthäppchen von den Aachener Metzgern, Monschauer Senf
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Vorspeise à la Dreiländereck: Lütticher Salat mit Rübenkraut
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Frittierte Kolonialwaren: Maniok, Süßkartoffel, Kochbanane
dazu: Erdnusssauce, Sambalsauce, Picalilly
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Mestreechs Zoervleis / Patat met
Maastrichter Sauerfleisch mit handgeschnitzten Fritten und drei Saucen (Aprikosenkompott, Ketchup, Mayonnaise)
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Käse aus Herve, dazu Kriek (Kirschenbier)
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Schokolade, Hopjes Vla, Oecher Printe
Dunkler Schokokuchen, Kaffee-Caramelpudding, Printen-Slush
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Der Abend hat mir großen Spaß gemacht. Ganz besonders danke ich meinem Koch-Partner Johannes, der alles so bewundernswert im Griff hatte und der eine echte Granate in der Küche ist. Ebenso danke ich Marco Kramer, der ganz viel Herz, Verstand und Fleiß in dieses Projekt steckt und der die Events mit seinem Team überhaupt erst zu etwas ganz Besonderem macht.

Supperclubgäste sind immer sehr zauberhafte Gäste. Jedenfalls kenne ich das bisher nicht anders. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es jedes Mal besser wird, und auch unser Auftaktabend hat mich wieder total geflasht. Die tolle Atmosphäre an den Tischen und bis spät in den Abend, - das sind eben die lieben Freunde, die alten und neuen Bekannten, die einen Supperclub besuchen. DANKE! dass Ihr dabei wart!!!




Summer of Supper - Auftakt mit Nata und Johannes (1)
Foto: Marco Kramer / Marieneck

Summer of Supper - Auftakt mit Nata und Johannes (2)
Foto: Marco Kramer / Marieneck

2. Die Pop-up Weinbar
Qualitätsidee mit Prädikat von Jörg Utecht und Marco Kramer: Moselwinzer kommen ins Marieneck und bringen Bioweine mit. Ausgeschenkt wird glasweise, zu menschenfreundlichen Preisen. Nette Menschen plaudern miteinander, man trifft sich und hat leicht einen sitzen, wenn man das Lokal verlässt. Leider gibt es keine Fotos. Nächstes Mal gehe ich wieder hin!

3. The Good, the Bad and the Dad
Starker Titel, oder? Tatsächlich war es auch eine starke Veranstaltung mit einem besonders gelungenen Menü, das mich extrem beeindruckt hat. Annette Sandner aus München hat ihren Vater, Hans Sandner, aus Oberbayern nach Ehrenfeld geschleppt und Heimo Tscherne mitgebracht. Annettes Vater ist Koch und Hotelwirt im Ruhestand. So konnte er uns Amateuren mal zeigen, wo der Kochlöffel hängt und mit großer Gelassenheit ein paar Kindheitserinnerungen von Annette und Heimo verkochen. Bis auf den Nachtisch, den ich aus diplomatischen (um mich damit bei jemandem beliebt zu machen!) Gründen leider verschenken musste, habe ich jeden einzelnen Gang mit großer Begeisterung aufgesaugt.


Tafelspitz mit Kren und Kürbiskernöl, dazu Brot aus Köln


Dekonstruiertes Labskaus mit Wachtelei, ganz zartem Rindfleisch, eingelegtem Hering, würziger Rote Bete und Zwiebeln.


Zander à la Sandner mit rotem Mangold


4. Das Finale
Wie im vergangnen Jahr kochte Jörg Utecht das Finale, -  nur in diesem Jahr leider ohne mich. Weil unsere Termine nicht zusammenpassten, ersetzte er Schelli und meine Wenigkeit durch Claus Schlemmer, Stefan Chmielewski und Bernd Labetzsch. Das Rheinkombinat soll den Abend ganz gut gerockt haben, wie man auf verschiedenen Kanälen beobachten konnte. Den ersten Bericht dazu gibt es natürlich, - wie könnte es anders sein, denn keiner ist schneller, von Chezuli.

Fazit: den rheinischen Sommer können wir nicht wärmer oder sonniger machen. Aber ein bisschen leckerer und süffiger geht es schon. Wir brauchen auch im nächsten Jahr einen Summer of Supper!

Samstag, 11. Juli 2015

Flotter Wolfsbarsch für zwei oder drei Blogger

Blog-Event CX - Flotter Dreier (Einsendeschluss 15. Juli 2015)

Es wird mal wieder Zeit, etwas Sinnvolles mit diesem Blog zu machen. Genau genommen wird es sogar Zeit, überhaupt irgendetwas damit zu machen. So richtig sinnvoll finde ich Sachen, die mit anderen Bloggern zu tun haben und Blogs mit einander verbinden. Zorra ist ja das Mutterschiff dieser Verbundenheit, da sie unermüdlich Events veranstaltet, durch die Blogger sich zumindest virtuell kennen lernen.

Wer das Internet wirklich nutzt und nicht nur gelegentlich "einschaltet", der weiß, dass dieses Virtuell vom Real Life gar nicht so weit entfernt ist. Zorra ist nicht nur meine Freundin, sondern durch sie habe ich auch Isabel getroffen (kuckstu hier, hier und hier), die mir inzwischen ebenfalls ans Herz gewachsen ist. 

Die Gastgeberin des aktuellen Events in Zorras Kochtopf ist Dorothée, die in München Bushcooks Kitchen betreibt. Sie hält den inoffiziellen Rekord im Besuchen kulinarischer Veranstaltungen und neben ihrer atemberaubenden Kochbuchsammlung gilt ihr Interesse besonders der feinen Küche und den Menüs. Weil Bushi vermutlich jeden Foodblogger auf diesem Planeten schon einmal persönlich getroffen hat, dachte sie gleich an ein gemeinsames Kochen, also wieder etwas ganz Verbindendes. - Was der eigentliche Sinn des Bloggens ist.

Ich war in letzter Zeit mit vielen anderen Dingen sehr beschäftigt. Daher musste Isabel mich ein wenig anstubsen, damit ich auf diese Idee mit dem Menü aufspringe. Die Suche nach einer dritten Partnerin hat sie auch gleich übernommen und so ist das Sommermenü gemeinsam mit Christiane entstanden, die sich in ihrer Schabakery auf Süßes spezialisiert hat.

Vorspeise von Ko(ch)lloquium


Isabel hat mit ihrer Ajo Blanco eine samtig-kühle Vorspeise in frischen Farben vorgelegt. - Was wirklich toll ist, wenn man an einem heißen Sommertag in einem Garten unter Bäumen sitzt. Ich habe mir also überlegt, was ich gerne danach essen würde und war gleich bei gegrilltem Lammfleisch mit grünen Bohnen und Kartoffelgratin. Weil die nette Frau Blatzheim vom Wochenmarkt aber gerade in den wohlverdienten Urlaub entschwunden ist, kam die Sache mit dem einzig wahren Lammfleisch nicht in Frage, und anderes möchte ich irgendwie nicht. Ich probierte ein superleckeres Sommergericht mit Rumpsteak, Büffelmozzarella und gebratenem Gemüse, doch der Teller sah eher aus wie ein Sommergewitter.

Sommergewitter mit Gemüse | pastasciutta 2015


Dann gibt es kein Zurück mehr. Es ist Freitag, letzte Gelegenheit für ein Foto! Ein Fisch muss in die Grillpfanne und das Hauptgericht steht fest. Es schmeckt nach Urlaub und nach Mittelmeer, und es passt gut hinter die samtige Suppe von Isabel. Ihre Farben, Grün und Weiß tauchen auch auf meinem Teller wieder auf. So kann man kaum glauben, dass unsere Küchen gute 120 km von einander entfernt liegen.

Wolfsbarsch mit Basilikummayo | pastasciutta 2015



Gegrillter Wolfsbarsch mit Basilikummayo, Gemüsesalat und Röstkartoffeln

für 2 Personen

für die Kartoffeln:

2 Portionen Kartoffeln - die können höchst unterschiedlich ausfallen, wie ich weiß, 250 g pro Person sind aber realistisch
Erdnuss öl oder Olivenöl
Salz

für den Gemüsesalat:

ca. 250 g Blumenkohl
ca. 300 g grüne Bohnen
ca. 3 Frühlingszwiebeln
3 EL Sherryessig
4 EL Olivenöl
Salz

für den Fisch:

2 Wolfsbarsche (je etwa 500g)
1 Zitrone
Maldon Sea Salt
Gochugaru (koreanisches Chili)

für die Mayo:

100 ml Sonnenblumenöl
eine handvoll Basilikumblätter und etwas Petersilie
1 kleine oder halbe Knoblauchzehe
1 Eigelb
Salz
Saft einer halben Zitrone



Zuerst die Kartoffeln vorbereiten. Die Kartoffeln waschen, schälen und in Spalten schneiden, mit etwas Erdnuss- oder Olivenöl auf ein Blech in den kalten Ofen geben. Auf 180°C schalten und backen, bis die Kartoffeln goldbraun sind. Gelegentlich wenden, damit alle Seiten mit Öl überzogen sind. Vor dem Servieren salzen.

Kartoffelspalten aus dem Ofen | pastasciutta 2015


Für den Gemüsesalat den Blumenkohl waschen, in Röschen teilen und blanchieren. Die Bohnen putzen, kochen und abschrecken. Das lauwarme Gemüse mit Essig, Öl und Salz vermischen. Frühlingszwiebeln putzen, in feine Ringe schneiden und untermischen.

Die Wolfsbarsche ausnehmen und schuppen. Eine gusseiserne Grillpfanne aufheizen und die Fische darauf legen. Sobald das Fleisch an dem geöffneten Bauch beginnt, weiß zu werden, die Fische vorsichtig wenden. Nach etwa 2 Minuten die Pfanne vom Herd nehmen und in den noch heißen Ofen stellen. Bei etwa 160° C noch zehn Minuten im Ofen lassen. Danach probieren, ob der Fisch gar ist, ansonsten weiter im Ofen gar ziehen lassen.

Zu dem Fisch zwei halbe Zitronen in die Pfanne geben. Sie werden dabei leicht bräunen und später einen leckeren Saft abgeben, wenn man sie über den Fisch träufelt.

Während der Wolfsbarsch im Ofen ist, eine Basilikummayo anrühren. Dazu zunächst ein Basilikumöl mixen. Das Öl in einen Mixbecher geben, Basilikum, Knoblauch und Petersilie hinzufügen und mit dem Mixstab pürieren. Dann in einer großen Schüssel ein Eigelb mit etwas Salz verrühren. Das Basilikumöl zunächst tropfenweise und dann im dünnen Strahl unterrühren. Mit Zitronensaft und Salz abschmecken.

Wolfsbarsch mit Röstkartoffeln, Gemüsesalat, Zitrone  und Mayo servieren. Mit Maldon Sea Salt und Gochugaru (Chiliflocken) bestreuen.

Und danach von Gewürztraminer-Cherry-Macarons träumen, denn die gibt es jetzt bei Schabakery!





Sonntag, 14. Juni 2015

Hähnchen ohne Curry

Hähnchentopf mit Gemüse und Basilikum

So ein schöner Thai-Eintopf, der hat was! Leckeres Hähnchenfleisch mit Gewürzen, frischen Kräutern und Gemüse in Kokosmilch, das ist oberlecker. Dazu eine Schale Reis, aus der man immer wieder kleine Häppchen nimmt, um die Schärfe ein bisschen zu bremsen. Ich mag das, und zwar sehr! Doch das Konzept vom Hähnchen-Eintopf mit frischem Gemüse und Kräutern in sahniger Sauce funktioniert auch ganz anders. Zum Beispiel, wenn der Sinn gerade nach sanften europäischen Aromen steht und ein bisschen mehr nach Kartoffelpürree statt nach Reis.

Hähnchentopf mit frischem Gemüse und Basilikum

1-2 Portionen

200 g Spargel
2 dicke Frühlingszwiebeln
1 kl. Zucchini
3 Zehem frischen Knoblauch
1 große Tomate
etwas Öl zum Anbraten
1/2 Hähnchenbrust ohne Haut und Knochen
2 EL Mehl
ca. 200 ml Geflügel- oder Gemüsebrühe
ca. 100 g Sahne
Salz
frisches Basilikum
Gochugaru

Spargel schälen und schräg in Stifte oder Scheiben schneiden. Frühlingszwiebeln putzen und schräg in Scheiben schneiden. Zucchini putzen und in dünne Scheiben schneiden. Tomate waschen, das Grüne entfernen und das Flesich in Würfel schneiden. Knoblauch schälen und in Scheiben oder Würfel schneiden.
Das Gemüse in heißem Öl mit etwas Salz anbraten und dann aus der Pfanne nehmen.
Das Mehl auf einen Teller geben. Die Hähnchenbrust in dünne Scheiben schneiden und die Scheiben in dem Mehl wenden. Überschüssiges Mehl abklopfen und das Fleisch dann bei mittlerer Temperatur anbraten. Dabei leicht salzen.
Mit Sahne und Brühe aufgießen und kurz zum Kochen bringen. Das Gemüse hinzufügen. Vor dem Servieren Basilikum grob zerschneiden und untermischen. Mit Gochugaru würzen.

Etwas Anis (nicht Sternanis) macht sich an diesem Hühnertopf wahrscheinlich sehr gut, fiel mir aber leider zu spät ein. Dazu schmeckt ein cremiges Kartoffelpüree.



Freitag, 29. Mai 2015

Zwei gehören zusammen - Fisch mit Kartoffeln

Lachs, Kartoffeln, Spargel, Knoblauch, Kerbel


Kochen für den eigenen Appetit ist ein bisschen wie Malen nach Zahlen. Man weiß, wo alles hinkommt, wie es zusammengestellt wird und was da rein gehört. Zu Fisch gehören für mich fast immer Kartoffeln. Diese Kombination ist nicht zu toppen, den ich koche ja für mich. Fisch mit Fritten, Räucherlachs mit Reibekuchen, Matjes mit Pellkartoffeln, Rotbarsch mit Kartoffelsalat... davon kriege ich praktisch nie genug.

Viele Leute haben ein ähnliches Gefühl bei Spargel und Holländischer Sauce. Das gehört für die meisten untrennbar zusammen. - Wobei die Vornehmeren unter uns natürlich "Soß Ollondähs" sagen. Wir einfachen Leute müssen uns um sowas gar keine Gedanken machen, denn uns ist heute Mittag die Butter ausgegangen. So ein armseliger Rest reicht niemals für Sauce Hollandaise. Wenn Du gute Soße willst, dann musst Du klotzen und nicht kleckern. Und wenn Du keine Butter hast, hilft Malen nach Zahlen auch nicht weiter.

Also habe ich für meinen auf der Haut gebratenen Lachs nur ein klitzekleines Hollandsößchen gerührt, aus einem Schlückchen Wein, etwas frischem Knoblauch, Salz, Zucker, Eigelb und einem winzigen Stückchen Butter. Vor dem Anrichten habe ich sie kurz aufgewärmt und mit einem Hauch Curry (so dass man es nicht rausschmeckt) und einen Tropfen scharfem Senf abgeschmeckt. Dann eine Hand voll frischer Kräuter (Kerbel, Schnittlauch, Petersilie) und einen dicken Esslöffel geschlagener Sahne hinien gegeben.



Die Sauce läuft ganz genüsslich über den Lachs, der auf einem Bett aus gebratenem Spargel und dicken Scheiben von Pellkartoffeln liegt. Oben drauf liegt ein bisschen Kerbel und Schnittlauch mit einem Scheibchen gebratenem Knoblauch. Konfettimäßig habe ich Gochugaru und zerriebenen, gerösteten Sesam über den Teller gestreut.

Die rote Valerie

Die Kartoffeln hören auf den Namen Valerie, und wenn man ihnen die Pelle abzieht, dann behalten sie einen ganz zarten rosa Schimmer. Sie wachsen glücklicherweise im Nachbardorf.

Dicke, krumme Spargelstangen

Ebenfalls nur einen Steinwurf von hier wächst derzeit der Spargel. Die Temperaturen könnten zwar etwas freundlicher zu dem bleichen Gemüse sein, aber immerhin kommt er jetzt schon in ordentlichen Mengen aus der Erde. Daher wird auch immer ein Teil als "Klasse III" einsortiert. Worum es sich dabei handlet, sieht für mich jedes Mal anders aus, auch wenn klar ist, dass es sich nicht um die Topmodels unter den Spargelstangen handelt. Dieses Mal waren es ganz schön dicke Stangen mit ganz leicht geöffneten Köpfen.

Da ich den Spargel sowieso in Stücke schneiden und braten wollte, war mir das gerade recht. Für meinen Lachs habe ich die Spargelstücke bei mittlerer Hitze mit etwas Salz in Olivenöl gebraten. Kurz vor Schluss kam der in Scheiben geschnittene frische Knoblauch dazu.

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